Führende CDU-Frauen: Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauern, Kanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (v. l. n. r.) Foto: picture alliance / AP Photo
Führende CDU-Frauen: Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauern, Kanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (v. l. n. r.) Foto: picture alliance / AP Photo
Parität bei den Christdemokraten

Die CDU entdeckt die Frauenquote für sich

Nun also auch noch eine Frauenquote. Die CDU schmeißt die letzten Reste von Konservatismus und Rationalität über Bord und unterwirft sich endgültig dem linksideologischen Zeitgeist der Bauchgefühlspolitik. Nach einem elfstündigen Verhandlungsmarathon haben die mürben, müden Mitglieder der Satzungskommission eine nächtliche Entscheidung getroffen, die so vernünftig ausfiel, wie Entscheidungen in so einem Zustand eben ausfallen.

Ab 2025 soll es eine Parität von Männern und Frauen bei der Besetzung von Vorstandsposten geben. Die Reise in den totalen Gender-Gaga soll schrittweise erfolgen. So wird ab dem 1. Januar 2021 eine Frauenquote von zunächst 30 Prozent gelten. Schon das übersteigt den Gesamtfrauenanteil bei den CDU-Mitgliedern, der aktuell bei gerade einmal rund 26 Prozent liegt. Die Befürworter des Beschlusses werden argumentieren, daß die Partei durch die Abschaffung jeglicher Logik und Leistungsgerechtigkeit und die Einführung einer verpflichtenden Quote deutlich attraktiver für potentielle Mitglieder wird.

Inwieweit diese Rechnung aufgeht, ist fraglich. Selbst die Linkspartei hatte in den vergangenen zwei Jahren gerade mal einen Frauenanteil von 36,4 Prozent unter ihren Mitgliedern. Bei der SPD lag dieser 2018 bei 32,6 Prozent. Die Grünen haben mit rund 40,5 Prozent deutlich mehr Frauen in den eigenen Reihen als die anderen. Aber selbst die Mutter aller Quoten-Parteien hat es bis heute nicht geschafft, echte Mitglieder-Parität herzustellen. Im Bundestag haben die Grünen dennoch bereits mehr weibliche als männliche Abgeordnete.

CDU-Basis ist wenig begeistert

Allein das hätte der CDU eine Warnung sein sollen, auch wenn die Quote für die Aufstellung von Listenplätzen bei Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen nicht verpflichtend, sondern „nur“ eine Soll-Regelung darstellen soll. Wer nach Geschlecht und nicht nach Leistung und Kompetenz wählt, bekommt am Ende eben nicht die besten Männer und Frauen, sondern Claudia Roth, Katharina Schulze und Katrin Göring-Eckardt.

An der CDU-Basis hält sich die Begeisterung über den Beschluß der Satzungskommission in Grenzen. Gerade junge, auch ohne Quote schon vielversprechenden Frauen sehen in der Förderung, die die Parteiführung ihnen zukommen lassen will, eher eine Belastung. Gerade bei Kommunalwahlen hilft laut Lilli Fischer von der Jungen Union Erfurt eine quotierte Liste nichts, da der Wähler durch „Kumulieren“ und „Panaschieren“ eben selbst entscheide, wen er wähle; völlig egal, an welche Stelle der Liste die Partei den Kandidaten gesetzt hat, sagte sie der ARD.

Tatsächlich dürfte die Gefahr wachsen, daß auch fähige Frauen sich bei ihrem politischen Aufstieg von nun an immer dem unausgesprochenen Vorwurf ausgesetzt sehen, sie seien lediglich eine Quotenbesetzung. So richtig Freude über die Frauenquote kommt in der CDU deshalb wohl eigentlich nur bei den Frauen auf, die den Aufstieg in Partei und Staat längst geschafft haben; und natürlich bei Ruprecht Polenz.

Führende CDU-Frauen: Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauern, Kanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (v. l. n. r.) Foto: picture alliance / AP Photo

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