Amsterdam
Pro-Palästinensische Demonstration in Amsterdam (Symbolbild) Foto: picture alliance/ dpa
BDS-Bewegung

Mit israelischem Antrieb für die Freiheit Palästinas

Die israelfeindliche BDS-Bewegung fährt gerne schwere Geschütze auf. Sie fordert den Boykott israelischer Produkte und verfolgt eine internationale Delegitimationskampagne gegen den Judenstaat. Um als passionierter Israel-Hasser seine Glaubwürdigkeit nicht zu gefährden, sollte man allerdings beim Einkaufen den Stempel „Made in Israel“ nicht übersehen.

Die jüdische Nachrichtenagentur JTA machte kürzlich auf einen solchen Anfängerfehler aufmerksam, der dem niederländischen BDS-Streiter Robert-Willem van Norren unterlaufen ist. Der Behindertenroller, auf dem der Holländer mit einer gelben Warnweste und einem Schild „Free Palestine“ mit durchgestrichenem Davidstern in Amsterdam schon mal für Fotos posiert, wurde produziert in … genau: Israel. Und zwar im Kibbutz Afikim im Jordantal, der im Unabhängigkeitskrieg von 1948 aus einer Militärbasis heraus entstand.

Konsequente Heuchelei statt konsequenter Boykott

Auch israelische Medien berichteten über den Fall, auf den der Vorsitzende der holländischen israelfreundlichen Jugendorganisation CIDI jongeren, Hidde van Koningsveld, via Twitter aufmerksam machte. Der Chef der Gruppe, die sich als Vorkämpferin gegen Antisemitismus versteht, wies zudem auf ein Foto hin, daß van Norrens Mitstreiter, Simon Vrouwe, an einem israelischen Falafel-Imbiß in Amsterdam zeigen soll.

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Aber auch BDS-Kämpfer, die sich in Sachen Produktboykott auf der sicheren Seite wähnen, seien gewarnt. In nahezu jedem IPhone sowie in vielen weiteren Apple-Fabrikaten stecken heute Innovationen aus Israel. Auch der USB-Stick wurde von einem Israeli entwickelt. Von Erfindungen in der Gesundheitstechnologie und der Landwirtschaft ganz zu schweigen. Für den konsequenten BDS-Kämpfer, kann diese Tatsache das Shopping-Vergnügen ebenso wie den Arztbesuch bisweilen zum Spießrutenlauf machen, zumal die Zahl an arabischen Alternativen überschaubar ist.

Da kann man fast schon mitleidiges Verständnis für Leute wie van Norren bekommen, die statt auf konsequenten Boykott lieber auf konsequente Heuchelei setzen. Um sich am Ende des Tages aber selbst treu zu bleiben, frönt van Norren einem weiteren Hobby. Gerne unterlegt er israelische Flaggen mit Hakenkreuzen, die er bei seinen Ein-Mann-Demos in der niederländischen Hauptstadt stolz präsentiert. Sitzend. Auf seinem israelischen Roller.

Pro-Palästinensische Demonstration in Amsterdam (Symbolbild) Foto: picture alliance/ dpa

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