Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
Trikots für Vielfalt, Entspannungssessel und Soli

Kaisers royaler Wochenrückblick

„Die Mannschaft“ hat ein neues Trikot. Auf den ersten Blick wirkt das neue Leibchen des DFB-Teams einfach nur langweilig. Erst durch das dazu von Sponsor Adidas veröffentlichte Statement entfaltet sich die ganze zeitgeistgefällige Einfältigkeit, die offenbar in das gestreifte Hemdchen eingearbeitet ist. Das Trikot spiegele „Teamwork“ und die „Einheit in Vielfalt“ wider, für die die DFB-Elf stehe, hieß es in dem vom Sportartikelhersteller veröffentlichten Statement. „Einheit in Vielfalt“ klingt ein wenig nach dem alten US-Südstaaten-Motto „getrennt, aber gleich“; ist so aber natürlich nicht gemeint.

Immerhin: Die Ärmel der Spieler zieren wieder die Farben Schwarz, Rot und Gold. Allerdings stehen diese nicht mehr einfach für Deutschland. „Der dynamische Farbverlauf“ des Bündchens symbolisiert laut Adidas „die Diversität in der Bundesrepublik“ und steht für die vielen „Spieler und Fans mit unterschiedlichen Wurzeln“. Das Trikot sei damit nicht nur ein Kleidungsstück für den Platz und die Kurve, „sondern auch ein Statement für die Werte der deutschen Nationalmannschaft und die Verbundenheit zu ihren Anhängern – für eine moderne, weltoffene und bunte Gemeinschaft sowie die integrative Kraft des Sports“.

So viel tugend-protzerisches, postmodernes Geschwafel, um ein völlig überteuertes Stück Stoff an den Mann zu bringen, kann sich der Markenhersteller natürlich nicht in jedem Land leisten. Bei den Fans und Spielern der ebenfalls von Adidas gesponserten russischen Nationalmannschaft würden diese bunten Verkaufsargumente wohl weniger ziehen. Die Adidas-Partner Libyen, Algerien und Sudan sind bei der kommenden Europameisterschaft 2020 ja zum Glück nicht dabei.

Brandenburgs Beamte jubeln über Sessel 

Auch die deutsche Politik ist in dieser Woche wieder ein Stück vielfältiger geworden. Die knallharte Linke Amira Mohamed Ali hat sich den Fraktionsvorsitz der Linkspartei erkämpft und der Grüne Belit Onay wurde als erster türkischstämmiger Politiker zum Bürgermeister von Hannover gewählt. Darüber muß man sich einfach freuen. Denn wer sich nicht frenetisch darüber freut, ist natürlich automatisch ein Rassist.

Gefreut haben dürften sich auch Brandenburgs Beamte. Die haben von ihrer Landesregierung nämlich einen Wellness-Sessel für mindestens 8.000 Euro spendiert bekommen. Der „3D Float Plus“ kann nicht nur Rücken, Nacken, Hände und Füße massieren, er hat ein eigenes Klangsystem und kommt – für die totale Entspannung vom und im Beamtenalltag – mit einer speziellen Lichteffekt-Brille daher.

30 Minuten pro Woche in dem Chef-Sessel-Deluxe werden den „Staatsdienern“ als Arbeitszeit angerechnet. Stefan Breiding vom Landeskulturministerium betont: „Die Sessel sind Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements.“ Wenn darauf mal damals die VW-Manager gekommen wären, als sie wegen ihrer Wellness-Reisen mit Vollentspannung öffentlich am Pranger standen.

Weidel nennt Dummheit beim Namen

Weniger angenehm gestaltete sich die Woche für Stephan Brandner von der AfD. Er wurde als erster Politiker mit den Stimmen aller anderen Parteien als Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages abgewählt. Auslöser der überfraktionellen Abwahl-Aktion war ein Tweet Branders, in dem er Udo Lindenberg kritisiert und das ihm verliehene Bundesverdienstkreuz als „Judaslohn“ bezeichnet hatte. Der Begriff sei antisemitisch; das behaupteten auch Leute, die die Bezeichnung in der Vergangenheit selbst verwendet hatten.

Ähnlich dümmlich wie diese Anschuldigungen waren viele Reporterfragen während der AfD-Pressekonferenz nach der Abwahl Brandners. Als Alice Weidel das dann offen sagte, hatten die Journalisten ihren nächsten AfD-Skandal. Die allgemeine Aufregung über die vermeidlich pressefeindliche Haltung der Partei änderte aber nichts daran, daß die besagten Fragen nicht besonders intelligent waren. Manchmal muß man Dummheit einfach beim Namen nennen. Ob man es auch so rüde machen muß, wie es Alice Weidel getan hat, darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Hätte die seit Jahren voranschreitende Verflachung und Infantilisierung des Mainstream-Journalismus zuvor schon häufiger jemand ähnlich klar angesprochen, wäre dieser vielleicht heute nicht in einem derartig erbärmlichen Zustand.

Die Reichensteuer heißt seit dieser Woche Solidaritätszuschlag. Der Bundestag konnte sich nämlich nicht dazu durchringen, den Soli wirklich für alle abzuschaffen – trotz jahrelanger Ankündigung. Wohlhabende sind von der Steuerbefreiung ausgenommen und sollen weiterhin Solidarität mit den Mißwirtschaftlern im politischen Berlin zeigen. In Karlsruhe freut man sich bereits auf das neue Beschäftigungsprogramm.

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