Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
Restle, Roth, Rezo

Kaisers royaler Wochenrückblick

Wer nicht links ist, hat es inzwischen verdammt schwer in Deutschland. Zumindest dann, wenn er öffentlich seine Meinung sagen, aus seinem Buch vorlesen oder einfach nur seiner Arbeit nachgehen will. Dies dürfte wohl spätestens in dieser Woche jedem aufmerksamen Bürger (mit Ausnahme von Georg Restle) klar geworden sein. „Trotz Morddrohungen gegen Politiker und Journalisten. Trotz Störung von Vorlesungen. Trotz sprachlicher Verrohung: In diesem Land herrscht Meinungsfreiheit. Wer dagegen von ‘Meinungsdiktatur’ o.ä. spricht, hat nur eins im Sinn: Diesen Rechtsstaat, diese Demokratie zu delegitimieren“, twitterte besagter ARD-Journalist nach seinem TV-Duell gegen Bernd Lucke zum Thema Meinungsfreiheit.

Man fragt sich, ab wann der Moderator die Meinungsfreiheit in Deutschland eingeschränkt sehen würde. Die von ihm genannten Morddrohungen, als „Störungen“ verharmlosten Krawalle und Verrohungen reichen hierfür jedenfalls offenbar genauso wenig aus wie Anschläge auf Parteibüros, Blockaden gegen nahezu jede Demo, rechts von Extinction Rebellion sowie und Entlassungen von Mitarbeitern, die mit ihrer Meinung vom Mainstream abweichen oder sich auch nur mit dem falschen Politiker beim gemeinsamen Mittagessen blicken lassen.

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Wer sich ein wenig weiter durch Restles Twitter-Timeline scrollt, ahnt aber zumindest, welche Meinung für ihn die einzig schützenswerte ist. Dort kritisiert der Haltungsjournalist, daß, nach den Globalisierungsgegnern von Attac nun auch die selbsternannte progressive Bürgerbewegung Campact die Gemeinnützigkeit aberkannt bekommen hat.

Restle retweetet auch einen Tweet in der sich die stramm linke Amadeu Antonio Stiftung (AAS) bitterlich beklagt: „Zivilgesellschaftliche Arbeit ist seit Jahren unterfinanziert.“ Das könnte vielleicht daran liegen, daß es, zumindest von links, so viel steuerlich subventioniertes Engagement gibt, daß der Staat kaum noch hinterherkommt, all die guten Menschen angemessen zu entlohnen. Der Ärger der Helden der Arbeit an der Zivilgesellschaft ist dennoch verständlich. Es kann schließlich keiner von ihnen verlangen, daß sie sich für eine gerechtere Welt einsetzen, ohne dafür gerecht bezahlt zu werden.

Beim Menschlichsein auch noch selbstlos sein? Das wäre zu viel

Beim Menschlichsein auch noch selbstlos zu sein, das wäre dann doch ein bißchen viel des Guten; selbst für die Besten. Auf die gebührenfinanzierte Schützenhilfe des Genossen Restle können sich all diese linken Vereine aber wohl auch zukünftig verlassen. Das weiß auch die AAS zu schätzen und bedankt sich brav für einen Filmbeitrag über ihr finanzielles Anliegen in Restles ARD-Sendung „Monitor“.

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Bundestagsvizepräsidentin trifft sich mit Antisemiten

In Berlin gingen dieser Tage Fernsehzuschauer gegen die Absetzung der „Lindenstraße“ demonstrieren und die Mutter Beimer der Grünen, Claudia Roth, hat sich in Belgrad zum lockeren Plausch mit einem waschechten Antisemiten getroffen. Bei der Sitzung der „Interparlamentarischen Union“ auf dem Balkan hat die fleischgewordene Menschlichkeitsmaschine aus Ulm den iranischen Parlamentssprecher Ali Laridschani mit offenen Armen und seligem Lächeln empfangen. Daß Laridschani für seine regelmäßigen Vernichtungsdrohungen gegen Israel bekannt ist und die Leugnung des Holocaust verteidigt, trübte die Herzlichkeit der deutschen Parlamentsvizepräsidentin nicht.

Die Bild-Zeitung nannte Roth daraufhin eine „Schande für den Bundestag“ und verlieh ihr damit einen Titel, von dem sie selbst bisher vermutlich dachte, daß er fest für die  Abgeordneten der AfD reserviert sei. Vor einigen Jahren hatte die gegenüber islamistischen Antisemiten offenbar endlos dialogfähige und stets sichtlich moralgeschwängerte Politikerin übrigens für eine Ausladung des jüdischen Publizisten Henryk M. Broder durch den Bayrischen Rundfunk (BR) gesorgt.

Anders als mit dem islam-staatlich geprüften Judenhasser aus dem Iran wollte Roth mit Broder damals nicht reden oder auch nur an einem Tisch sitzen. Der BR hat sich daraufhin entschieden, den pro-israelischen Polemiker auszuladen, um so eine lupenreine Wohlfühl-Talk-Atmosphäre für die Frau, die doch normalerweise mit allen Kulturen auf Kuschelkurs ist, zu schaffen.

Reze wird Kolumnist

Rezo, der Sonderbeauftragte der Grünen für digitale PR, schreibt jetzt für Zeit-Online. In seiner ersten Kolumne rechnete der YouTuber direkt mit Horst Seehofer ab. Das ist in etwa so originell wie sich im Jahr 2019 die Haare türkis zu färben oder zu sagen, daß die Zeit heute noch ein Leitmedium für Intellektuelle sei. Rezo schreibt übrigens ganz genau so wie er redet. Er ist damit in seiner von geistiger Schlichtheit getragenen Selbstgefälligkeit zumindest authentisch.

„Ein Nazi tötet, ein Innenminister labert Scheiße und der Rest der Bevölkerung läßt sich vom Wesentlichen ablenken. Das ist unser Stand zwei Wochen nach dem Terroranschlag in Halle. In diesem Text will ich erklären, wieso wir in Zukunft die Äußerungen von Politikern häufiger als Bullshit bezeichnen sollten, um ein konstruktiveres Umfeld zu schaffen für die Diskussionen, die ja geführt werden müssen“, schreibt der junge Literat in der Einleitung seines ersten Zeit-Artikels, die Substanz und Tiefgang seines ganzen Textes eigentlich schon so gut auf den Punkt gebracht hat, daß er sich jedes weitere Wort hätte sparen können.

Rezo wird natürlich trotzdem weiter schreiben. Schließlich wird in Deutschland, wenn es „gegen Rechts“ geht, auch der größte Bullshit noch ziemlich gut bezahlt.

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