Bernd Lucke bei Sandra Maischberger Foto: Maischberger/ARD/Screenshot JF
Sandra Maischberger

Restle gegen Lucke

Ein bißchen Andreas-Scheuer-Bashing, ein wenig „Merkel ist immer noch besser als AKK“-Gefasel: was man halt so redet, wenn man keine große Zeit und Lust hat, sich vorzubereiten und trotzdem irgendwie smart und kompetent wirken will. So läßt sich kurz zusammenfassen, was die Gäste von Sandra Maischberger, der scheidende Leiter des Ressorts Politik der Bild-Zeitung, Nikolaus Blome, die Innenpolitikchefin der Süddeutschen Zeitung, Ferdos Forudastan und Comedy-Autor Micky Beisenherz so ablieferten. Alles war dabei vorhersehbar und unkreativ. Auch der unvermeidliche britische Politikwissenschaftler mit dem unverwechselbaren Inselakzent, der zum Thema Brexit eingeladen war, machte die Sendung nur sehr bedingt unterhaltsamer oder interessanter.

Der wirkliche Grund dafür einzuschalten und trotz 20 Minuten Anfangsgeplänkel in der großen Small-Talkrunde dranzubleiben, war das angekündigte Aufeinandertreffen von AfD-Gründer Bernd Lucke und dem linkesten Journalisten, den die ARD zu bieten hat, Georg Restle. Die beiden politischen und menschlichen Gegenpole sollten sich zum Thema Meinungsfreiheit streiten.

Enge Meinungskorridore

Anlaß waren natürlich die linksextremen Proteste gegen Bernd Lucke an der Hamburger Uni, die wiederholt zum Abbruch seiner Vorlesungen geführt haben. Restle fand die Proteste „in der Sache nachvollziehbar“, auch wenn der ARD-Mann deren „Form“ natürlich, ganz rundfunkstaatsvertragsgetreu, ablehnt. Daß Lucke „in einer Stadt wie Hamburg“ mit den Protesten, wie er sagt, nicht gerechnet habe, kann Restle nicht verstehen. Offenbar kennt er die Hansestadt und ihre linksradikale Szene deutlich besser als der attackierte Wirtschaftsprofessor.

Auch daß Lucke, den Linksextremisten nun bereits zweimal aus dem Hörsaal gejagt haben, die Meinungsfreiheit in Deutschland bedroht sieht, und dann auch noch ausgerechnet von links, versteht der rote Restle offenkundig nicht. „Ich glaube, daß wir noch nie in der Bundesrepublik so viel Meinungsfreiheit hatten, wie wir sie haben“, sagt der Monitor-Moderator allen Ernstes in Richtung des von links terrorisierten Bernd Lucke, und nennt als Beispiel ausgerechnet die Pegida-Demonstrationen und immer wieder Aussagen der AfD. Also genau die Vertreter der Meinungen, die nicht nur an den Universitäten heute oft gänzlich vom demokratischen Diskurs ausgeschlossen werden sollen. Wie Bernd Lucke von „Meinungskorridoren“ zu reden, findet der ARD-Mann „aberwitzig“.

Sogar so aberwitzig, daß er Lucke gar nicht erst ausreden läßt. Die „Verrohungen in der politischen Auseinandersetzung“ kommen für Restle, der im persönlichen Fernsehgespräch übrigens tatsächlich genauso arrogant, selbstgerecht und unsympathisch wirkt, wie man es sich vorstellt, wenn man ihn nur von Twitter oder seinen Eigenmoderationen kennt, in erster Linie von rechts.

Falsche Zitate

Für diese Entwicklung gibt er auch Bernd Lucke eine Mitschuld. Seine Vorwürfe gegenüber dem AfD-Gründer untermauert der Journalist Restle mehrfach mit falschen Zitaten. So unterstellt er Lucke, er habe Flüchtlinge als „Bodensatz der Gesellschaft“ bezeichnet. Tatsächlich hatte Lucke bei einer AfD-Veranstaltung im Jahr 2013 lediglich davor gewarnt, daß Menschen ohne Bildung nach Deutschland kämen. Diese würden dann „eine Art sozialen Bodensatz“ bilden. Auch Luckes berühmt berüchtigtes Zitat von den „Entartungen“ der Demokratie und des Parlamentarismus, die er erlebt habe, gibt Restle bestenfalls verkürzt wieder.

Für die Proteste an der Uni Hamburg dürften die von Restle aufgewärmten, verkürzten und verfälschten Zitate dennoch noch einmal als neuer Zündstoff dienen. Auch für Protest-Formen, die der ARD-Mann – offiziell natürlich – ablehnt.

Bernd Lucke bei Sandra Maischberger Foto: Maischberger/ARD/Screenshot JF

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