Maier-Tweet

Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit

Die AfD startet mit anhaltendem Rückenwind in das neue Jahr. Mit 14 Prozent erreicht sie bei einer aktuellen Umfrage den höchsten Wert seit über zwölf Monaten. Das Jamaika- und Groko-Gewürge im Bund sowie der unveränderte Kontrollverlust an den Grenzen und im Inneren im Zuge der Asylkrise treiben der Oppositionpartei Wähler in Scharen zu.

Immer wieder machen AfD-Politiker Schlagzeilen durch provokative Wortmeldungen in sozialen Netzwerken, die im Rahmen der Meinungsfreiheit auch einen groben Keil auf einen groben Klotz setzen. Sicher bleiben die von Twitter seit dem Neujahrstag gelöschten Nachrichten von Beatrix von Storch oder Alice Weidel eher in Erinnerung als die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin.

Instinktlose Wortwahl

Doch es wächst auch unter eigenen Anhängern inzwischen Unmut über manche Provokationen, die Grenzen des Geschmacks nicht nur überschreiten, sondern auch unstreitig widerwärtig und menschenverachtend sind.

So der inzwischen gelöschte Tweet des AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier, der über Noah Becker, Sohn der deutschen Wimbledon-Legende Boris Becker, in beleidigender Absicht äußerte: „Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders läßt sich sein Verhalten nicht erklären.“ Becker hatte sich zuvor in einem Gespräch mit der Zeitschrift „emotion“ über wiederholte rassistische Anspielungen auf seine Hautfarbe beklagt.

Maiers Wortwahl ist instinktlos und auch ein Schlag ins Gesicht seines Fraktionskollegen Harald Weyel, der selbst Sohn eines afroamerikanischen US-Soldaten und einer Deutschen ist und mutmaßlich genauso wenig angesprochen werden möchte wie Noah Becker. Und wie dämlich muß man sein, nachdem Gauland schon mit seinen Äußerungen über den farbigen Nationalspieler Boateng im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft Porzellan zerschlug, sich jetzt mit der Familie eines der beliebtesten deutschen Sportler anzulegen?

AfD verschreckt Wähler

Immerhin löschte Maier den Tweet nach Protesten. Daß er die Verantwortung einem Mitarbeiter auflädt, läßt die Zweifel an seiner politischen Zurechnungsfähigkeit nicht geringer werden. Die AfD darf sich nicht wundern, wenn sie für nicht wenige Bürger, die sich eigentlich ihrem Programm und ihren Hauptanliegen ursprünglich verbunden fühlten, durch solche Äußerungen unwählbar wird.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier Foto: picture alliance/ dpa/ abaca

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