Protestschild gegen Stuttgart 21 Foto: picture alliance/dpa
Bahnprojekt

Stuttgart – Massengrab

Wir könnten nun schreiben, wir haben es vorausgesagt, mehrfach. Aber soll man sich dessen wirklich rühmen? Zu offensichtlich ist seit langem, wie Politik und Bahn die Bürger in Sachen Stuttgart 21 getäuscht und hinters Licht geführt haben, als daß man sich darauf etwas zu Gute halten könnte.

Nun also wird Stuttgart 21– zum wievielten mal eigentlich? – nochmal teurer: Nun also ist die acht Milliarden-Euro-Grenze überschritten, steigen die Kosten nach Angaben der Bahn von der letzten Steigerung, die gerade mal ein paar Wochen(!) her ist, von 7,7 auf 8,2 Milliarden Euro – plus einem weiteren Jahr Bauzeit von 2024 auf 2025.

Man ist der Tricksereien müde. Wer sich etwa vor wenigen Wochen die Mühe machte, das Kleingedruckte in Sachen Fertigstellung zu lesen, der fand die Angabe „Dezember 2024“. Es war damit klar, daß dies de facto natürlich 2025 heißen würde – aber die Bahn hoffte eben, es so ein wenig besser aussehen lassen zu können. Sie kennen das ja – kaufen Sie einen neuen Fernseher, kostet der auch keine 700, sondern 699,99 Euro.

Salamitaktik

Wer sich mit der Geschichte von Stuttgart 21 beschäftigt, der stößt auf Lug und Trug, praktiziert nach der Salamitaktik – beziehungsweise der Methode „Frosch im Kochtopf“. Hätten Bahn und Politik von Anfang an die Karten auf den Tisch gelegt, wäre der Frosch, der Bürger, herausgesprungen. Durch die langsame Erhöhung der Wassertemperatur blieb er aber brav auf seinem Platz sitzen – bis die Brühe brodelte.

Dabei hat Stuttgart 21 bereits 2016 die Grenzen der Wirtschaftlichkeit überstiegen, das hat die Bahn selbst zugegeben, sprich die Kosten übersteigen längst den Nutzen, den das Projekt jemals erwirtschaften kann. Im Klartext: Stuttgart 21 – Massengrab. Hier ruht Ihr sinnlos verschwendetes Steuergeld. Und das während die Infrastruktur der Bahn an allen Ecken und Enden ächzt und kracht und Deutschlands immenses Infrastruktur-Problem – zur Erinnerung: einer der Faktoren, der unserem rohstoffarmen Land sein Überleben in der weltweiten Konkurrenz sichert – weiter gefährlich vergrößert.

Und wer nun glaubt, mit 8,2 Milliarden sei aber auch endlich Schluß – wird am Ende wahrscheinlich wohl als treudoofer Michel dastehen. Der Bundesrechnungshof jedenfalls rechnet mit zehn Milliarden Euro. Und aus heutiger Sicht muß man leider hoffen, nicht daß er nicht Recht hat – und die Kosten darunter bleiben – sondern, daß er Recht behält – und die Endsumme sich nicht noch darüber hinaus schraubt.

Protestschild gegen Stuttgart 21 Foto: picture alliance/dpa

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