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Am #Metoo-Pranger: Dieter Wedel, Kevin Spacey und Matt Damon (v.l.n.r.) Fotos: picture alliance/Photoshot /dpa/AP Photo

#Metoo-Hexenjagd
 

Hängt sie!

Die medialen Scheiterhaufen brennen derzeit lichterloh und weltweit. Das Lauffeuer zieht wie die Alarmlichter in Tolkiens „Herr der Ringe“ von Berggipfel zu Berggipfel, nur daß wir derzeit nicht Holzscheite niederbrennen, sondern männliche Karrieren in der Filmbranche.

Ausgelöst durch den Hollywood-Schmierlappen Harvey Weinstein steht eine ganze Branche Kopf. Rollen Köpfe, werden Schauspieler aus Filmen geschnitten, Ämter niedergelegt und verabschieden sich Produktionsfirmen allein schon bei Verdachtserhebung präventiv von langgedienten Topstars.

Sollten sich Vorwürfe erhärten, will man schließlich genug Meilen zwischen sich und den ehemaligen Weggefährten gebracht haben. Sicherheitsabstand, um nicht mit ins Fahrwasser zu geraten. Oder in die Schußlinie. Die nötigen Brandbeschleuniger für die digitale Hexenjagd der Moderne sind Beschuldigungen und Vorwürfe von Frauen für Taten, die teilweise 20 bis 30 Jahre zurück liegen.

Stunde der Denunzianten

Na sicher, es könnten auch einfach Falschbeschuldigungen sein oder Racheakte. Wer will das schon wissen? Wer soll das noch beweisen? Wen interessiert es? Genüßlich wird statt dessen täglich neues Öl ins Feuer gegossen, wird mit dem Finger auf andere gedeutet, werden lange offene Rechnungen beglichen, wird nachgetreten, beschuldigt, verurteilt. Er hat mir die Rolle nicht gegeben, weil ich nicht mit ihm essen war. Er hat mich die Szene 20 Mal spielen lassen, weil ich ihn abgewiesen habe. Er hat versucht, sich mit mir zu verabreden, weil er mich sexy fand. Hängt ihn! Sofort. Ist doch egal, ob es stimmt, oder frei erfunden ist.

Es ist die Stunde der Denunzianten. Hängt ihn! Noch bevor auch nur ein Vorwurf bestätigt wird, sind die Beschuldigten raus aus dem Spiel. Karrieren beendet. Der Rufmord begangen. Habt ihr Kevin Spacey schon vergessen? Auch Schwule, sonst auf der sicheren Regenbogenseite, sind derzeit nicht sicher. Nicht vor unfreiwilligen Zwangsoutings, noch vor ambitionierten Nachwuchsschauspielern, die ihre „15 minutes of fame“ suchen. Ich war 14 und er hat sich auf mich gelegt damals bei dieser Party. Und während sich der Rest der Welt fragt, was ein 14-Jähriger eigentlich auf einer Hollywood-Drogen-Party zu suchen hat und warum es ihm eigentlich erst jetzt einfiel, als er selbst berühmt werden wollte, ist der öffentliche Mob bereits in Hochform und will Blut sehen.

Wird schon was dran sein

„Soll getan haben“ ist das neue Ende der Beweiskette. Reicht doch. Wer braucht schon Fakten? Wird schon was dran sein. Verstimmte und verschnupfte Möchtegern-Starlets sind genauso mit von der Partie, wie gestandene Schauspielerinnen, die die Schmach ehemaliger Kritik – sei sie nun berechtigt oder unberechtigt gewesen – bis heute offenbar nicht verwunden haben. So manche wittert gerade Morgenluft.

Und wie schön, daß man weder einen Anwalt, noch einen Beweis braucht. Kostenlose Lynchjustiz. Der öffentliche Pranger funktioniert ohne Pflichtverteidiger, ohne Gerichte, ohne Ermittlung, ohne funktionierende Justiz und vor allem ohne die Unschuldsvermutung. Hängt ihn! Worte als Waffen in einem Krieg, den man als Beschuldigter nicht gewinnen kann.

Gerade trifft die #Metoo-Hexenjagd den 76jährigen Regisseur Dieter Wedel mit voller Härte. Er wird auch in Deutschland nicht der letzte bleiben. Die Justiz ermittelt gegen ihn wegen Anfangsverdachts. Einer der Vorwürfe, nicht etwa geäußert als Anzeige auf einer Polizeidienststelle, sondern in einem medienwirksamen Beitrag in der Zeit, ist juristisch wohl noch nicht verjährt.

Nicht zu gewinnender Kampf

Wedel hat sich zurückgezogen, ist nun offenbar auch gesundheitlich angeschlagen. Es nimmt ihn mit. Wer mag es ihm verdenken? Hat die Intendanz bei den Bad Hersfelder Festspielen niedergelegt und entsagt der Öffentlichkeit bis auf eine deutliche Stellungnahme im Netz. Daß er weiß, daß man Menschen fünfstellige Summen geboten hat, wenn sie ins Denunziantentum mit einsteigen gegen ihn. Daß entlastende Statements nicht gedruckt werden. Daß die Zeugen, die er gerne zur Entlastung aufrufen würde, teilweise bereits verstorben sind. Daß ihn manche versuchen zu erpressen: Zahl mir mehr als die Presse, dann rede ich nicht mit denen.

Und daß er diesen Kampf nicht gewinnen kann. Was tun als Betroffener in einer öffentlichen Hexenjagd, die nicht etwa nach Wahrheit sucht, sondern sich im schmierigen Verdacht suhlt. Hat nicht auch die Berben gesagt, da war was? Und wenn die das sagt, muß es doch stimmen. Also hängt ihn!

Auf der anderen Seite des Antlantiks trifft es derweil parallel einen echten Saubermann: Matt Damon. Everybody`s Lieblings-Schwiegersohn. Ein Musterbeispiel von Gentlemen. Keine Eskapaden, keine Affären, nie übergriffig gewesen, statt dessen braver Ehemann mit Töchtern, der in seiner Freizeit mit seinem Millionenvermögen sauberes Wasser in Afrika schafft.

Normalerweise also Anwärter für den Preis zum Gutmenschen des Jahres, tatsächlich aber neuerdings auf der #metoo-Abschußliste. Sein Vergehen scheint genauso schlimm, wie das der vermeintlichen Täter : Er hat verharmlost. Hängt ihn daneben! Ein #Metoo-Leugner. Er hatte es gewagt, zu differenzieren vor einer Weile. Damon hatte öffentlich kundgetan, daß er die Debatte für zu einseitig hält und daß man zwischen einer „Vergewaltigung“ und einem „Klaps auf den Hintern“ doch mal unterscheiden müsse.

„Wehe, du wagst zu widersprechen“

Niemand hatte ihm offenbar die ungeschriebenen Gesetze der #Metoo-Kampagne erklärt: Nummer 1: „Wirf dich als Mann in den Staub. Zeig dich betroffen und zerknirscht, auch wenn du selbst nichts getan hast.“ Nummer 2: „Komm uns nicht in die Quere“, und ganz wichtig Nummer 3: „Wehe, du wagst zu widersprechen, dann hängen wir dich direkt daneben.“

Und so muß der einstige Star aus „Good Will Hunting“ jetzt darum zittern, ob er aus dem Film „Ocean`s 8“ herausgeschnitten wird. Ob er einfach ganz gelöscht wird. Weil die Produktionsfirma es mit der Angst zu tun bekommt und einknickt vor dem weiblich-hysterischen Mob, der in einer Online-Petition gerade Unterschriften gegen Matt Damon sammelt. Und so muß er vielleicht bangen um seine ganze berufliche Existenz.

Ja, erinnern Sie sich noch an diesen Kevin Spacey? Bis vor zwei Monaten war er ein echter Superstar. Brillant. Fies. Herrlich auf der Leinwand. Dann haben sie seine Szenen aus Filmen gelöscht. Schließlich soll er doch etwas getan haben damals vor 30 Jahren. Erinnern Sie sich noch an ihn?

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Am #Metoo-Pranger: Dieter Wedel, Kevin Spacey und Matt Damon (v.l.n.r.) Fotos: picture alliance/Photoshot /dpa/AP Photo
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