Mario Draghi: Sein Schwur verhallt Foto: picture alliance/Wiktor Dabkowski
Italien und der Euro

Die Krise hat gerade erst begonnen

Die anhaltenden politischen Turbulenzen in Italien haben Ängste vor Instabilität im Euro-Block weiter geschürt. Investoren ließen italienische Staatsanleihen fallen, was die Kreditkosten für das Land stark ansteigen ließ und die Befürchtungen vor einer stärkeren finanziellen Belastung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas wieder aufflammen ließ.

Neuwahlen stehen aller Voraussicht an und die Anleger befürchten das Ausscheiden Italiens aus der Währungsunion. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf das europäische Finanzsystem und seine Wirtschaft haben.

Am gestrigen Mittwoch konnte Italien am Markt zehnjährige und fünfjährige Anleihen platzieren, mußte den Investoren allerdings mit drei beziehungsweise 2,3 Prozent, fast doppelt so hohe Renditen versprechen wie bei der letzten Auktion.

Italien muß mit 350 Milliarden Staatskrediten wirtschaften

Ganz gleich, wie es am Ende politisch kommen wird: In den nächsten sechs bis acht Jahren muß Italien mit rund 350 Milliarden Euro laufenden Staatskrediten, davon 300 Milliarden notleidend, und rund 65 Milliarden Euro laufenden Krediten der größten italienischen Unternehmen versuchen zu wirtschaften.

Der EU fällt dazu wenig ein. Sie will die alte Idee der European Safe Bonds (ESB) wieder aufleben lassen und die Schulden mehrerer Staaten in dieser „sicheren Anleihe“ bündeln.

„Nur private Investoren würden das Risiko und die Verluste teilen“, heißt es im Entwurf der EU-Kommission. Doch sie versteht nicht, daß es italienische Anleihen nicht sicherer macht, wenn deutsche Anleihen als Verpackung genutzt werden. Nur eines wird passieren: Deutsche Staatsanleihen werden riskanter.

Rating Agentur hat offenbar aus Fehlern gelernt

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat bereits erklärt, daß sie den ESBs nicht das höchste Rating zuerkennen wird. Sie hat anscheinend gelernt aus der Vergangenheit, in der sie und andere Agenturen aufgrund vermeintlicher Staatsgarantien ungerechtfertigt hohe Ratings abgaben.

Die Zentralbanker scheinen mittlerweile mit ihrem Latein am Ende zu sein und für die EZB wird es immer schwieriger, die Währungsunion in ihrer jetzigen Form zusammenzuhalten. Der Schwur Draghis aus dem Jahr 2012 („Whatever it takes!“) verhallt. Die Krise ist noch lange nicht gebändigt. Sie fängt gerade erst an.

Mario Draghi: Sein Schwur verhallt Foto: picture alliance/Wiktor Dabkowski

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