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sexuelle Belästigung
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz (Symbolbild): Ein hochgespieltes Problem? Foto: picture alliance / reality

„#MeToo“
 

Heuchlerische Kampagne

Lange nichts mehr gehört von Johannes-Wilhelm Rörig. Selbst politisch Interessierten dürfte der seit sechs Jahren amtierende „Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmißbrauchs“ eher unbekannt sein. Plötzlich ist er wieder aus der Versenkung aufgetaucht und fordert, „ein neues Kapitel im Kampf gegen sexuelle Gewalt aufzuschlagen“. Und nein, aus der Reserve gelockt haben ihn keineswegs die nicht abreißen wollenden Meldungen über Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe illegal eingewanderter junger Männer, denen Tag für Tag willkürlich attackierte Frauen und Mädchen zum Opfer fallen.

Der „Mißbrauchsbeauftragte“ springt auf eine Kampagne auf, die unter dem Schlagwort „#MeToo“ aus den USA herübergeschwappt ist und sich mal wieder am Feindbild des bösen „alten weißen Mannes“ abarbeitet. Auslöser der „Ich auch“-Welle waren Berichte über die Ausschweifungen des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, der offenbar gerne Filmrollen gegen sexuelle „Gefälligkeiten“ vergab und dabei auch vor Vergewaltigungen nicht zurückschreckte. Das ist widerwärtig, aber nicht gerade eine sensationelle Enthüllung, eher ein offenes Geheimnis.

Die Medien ließen den Demokraten-Sponsor lange in Ruhe

Daß Weinsteins kriminelle Umtriebe nicht längst zum Thema wurden, hat viel mit Heuchelei und Scheinheiligkeit zu tun. Solange es opportun schien, schwiegen die inzwischen hochbezahlten und ganz oben auf der Karriereleiter angekommenen Betroffenen. Beim Tauschgeschäft „Sexualität gegen Karrierebeschleunigung“ Frauen reflexhaft nur als wehrlose Opfer abzuqualifizieren, erscheint ohnehin reichlich naiv und weltfern.

Auch die Medien ließen den großzügigen Demokraten-Sponsor lange in Ruhe. Profiteurin Hillary Clinton distanzierte sich nur spät und widerwillig von ihrem unappetitlichen Verbündeten. Daß selbst eine Monika Lewinsky, die ihre Karriere auf die Öffentlichmachung einschlägiger Kontakte zu Hillarys sexbesessenem Präsidentengatten gründete, sich im nachhinein noch als „#MeToo“-Opfer stilisierte, gibt der Empörungswelle einen Dreh ins Groteske.

Berechnung darf man auch so manchen der europäischen „Ich auch“-Trittbrettfahrerinnen unterstellen. Eine schwedische Ministerin, die sich mit der unüberprüfbaren Behauptung zum Opfer stilisiert, es habe ihr mal jemand die Hand aufs Bein gelegt, macht als hochbezahlte Führungskraft keine gute Figur. Beim österreichischen Außenminister und wohl nächsten Bundeskanzler Sebastian Kurz, der die Breschnew-artige Bruderkußattacke von EU-Kommissionspräsident Juncker gelassen ins Leere laufen ließ, kann sie sich abschauen, wie man mit so etwas umgeht.

Männer werden pauschal zu Tätern und Frauen pauschal zu Opfern stilisiert

Beim „Sexismus“ gehe es immer um Macht, meint Noch-Familienministerin Katarina Barley (SPD), die in Deutschland auf den Zug aufsprang und nicht nur nach „schärferen Gesetzen“ rief, sondern auch nach Frauenquoten und Lohndirigismus, um ein imaginiertes „Machtgefälle zwischen den Geschlechtern“ zu brechen. Die Masche ist durchschaubar: Männer werden pauschal zu Tätern und Frauen pauschal zu Opfern stilisiert, um Vorteile für die eigene Karriere herauszuschlagen.

Deutlich wird das am plump mißglückten Versuch der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli, von dem Empörungstheater auf ihre Art zu profitieren und aus einer banalen Begebenheit die Neuauflage der schon ein paar Jahre zurückliegenden „Aufschrei“-Kampagne zu inszenieren. Die Dame erscheint zu spät und ohne sich vorzustellen zu einer Veranstaltung. Ein Botschafter a.D., der sie nicht erkannt hat, will die Situation mit einem Kompliment alter Schule glätten, indem er bemerkt, er habe keine „so junge und schöne Frau“ erwartet. Doch diese gibt sich schockiert, sie habe „noch nie“ einen solchen Fall von „Sexismus“ erlebt.

Gut möglich, daß die SPD-Politikerin palästinensischer Abstammung damit nicht nur ihr eigenes schlechtes Benehmen überspielen wollte, sondern auch ihren Minderwertigkeitskomplex. Wer ihre öffentlichen Auftritte verfolgt, muß zu dem Schluß kommen, sie verdanke ihre Karriere weniger intellektueller Brillanz als vielmehr einem doppelten Quotenbonus als Frau und Migrantin.

Die Kampagne relativiert echte Sexualdelikte

Die Mentalität hinter solchen Einlassungen ist gleichwohl entlarvend. Wenn selbst harmlose Komplimente zu sexuellen Übergriffen hochgeschrieben und plumpe Verstöße gegen Takt und Anstand, deren sich moderne Frauen durchaus auch ohne Strafgesetzbuch erwehren können, gleich mit kriminalisiert werden, wird nicht nur das Klima des gesellschaftlichen Miteinanders vergiftet. Die inflationäre Ausweitung dessen, was als „sexueller Übergriff“ verstanden wird, relativiert zugleich den tatenlos hingenommenen Anstieg echter Sexualdelikte.

Was Frauen in Deutschland viel akuter bedroht, sind nicht Komplimente soignierter Herren, sondern die allgegenwärtige, zunehmend von orientalischen Migranten ausgehende Gefahr, überfallen und mißhandelt zu werden. Dieses Thema ist allerdings vielen unangenehm. Das erklärt, warum die künstliche „Ich auch“-Aufregung, die einheimische Männer einmal mehr zu den suggeriert wahren Problembären stempelt, vielen als Ablenkungsmanöver ganz recht kommt und in Spiegel-Titelgeschichten dankbar aufgegriffen wird.

Wohl wahr: „Wir müssen reden.“ Aber nicht über den an in immer neuen Variationen zum Popanz aufgeblasenen Sexismus alter und junger „weißer Männer“, die in ihrer Verunsicherung bisweilen nicht mal mehr wagen, einer Dame die Haustür aufzuhalten, sondern über Zwangsehen, Ehrenmorde, Genitalverstümmelung und die importierte archaische Frauenverachtung. Wer diese Auseinandersetzung verweigert, ist der wahre Frauenfeind.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz (Symbolbild): Ein hochgespieltes Problem? Foto: picture alliance / reality
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