Christopher Lauer
Christopher Lauer: Ex-Pirat, Ex-Abgeordneter und nun SPD-Mitglied Foto: dpa
Meinung

Der Schmalspur-Denunziant

Piraten sind, aller gängigen Kinderbuch-Glorifizierung zum Trotz, eher unerfreuliche Gesellen, die man besser nicht an Bord läßt. Der mittlerweile mit einem SPD-Parteibuch ausgestattete Berliner Ex-Abgeordnete der Selbsthilfegruppe „Piratenpartei“ Christopher Lauer macht da keine Ausnahme. Einen großen Teil seiner Zeit verbringt Lauer in den sozialen Medien, um gegen die ihm an sich zukommende Nichtbeachtung in der Öffentlichkeit anzukämpfen.

Der reflexhafte Angriff der Grünen-Chefin Simone Peters auf die Kölner Polizei, die es doch tatsächlich gewagt hatte, nordafrikanische Intensivtäter als solche zu behandeln und zu bezeichnen und dafür auch noch die interne Kurzbezeichnung „Nafri“ zu gebrauchen, kam dem Neu-Sozi daher gerade recht, um ins selbe Horn zu krähen.

„Rechtsbraunversiffte“ und „Herrenmenschen“

Das brachte Lauer eine Flut kritischer Nachrichten ein, die ihn zu einer Pöbelorgie gegen „Rechtsbraunversiffte“ und „Herrenmenschen“ anstachelte. Ein Sparkassen-Immobilienmakler, der ihm eine höfliche, aber deutliche Nachricht geschickt hatte, unvorsichtigerweise aber über seine dienstliche Mailadresse, weckte in ihm den Hinrichtungsinstinkt.

Lauer verbreitete die private Nachricht über sein Twitter-Konto und fragte zur Sicherheit auch gleich bei der Sparkasse nach, wie sie denn zu den politischen Äußerungen ihres Mitarbeiters stehe.

Tweet von Christopher Lauer Foto: JF

Und die ging auch gleich brav in die Knie, gelobte „Prüfung“.

Der Job des Andersdenkenden wackelt, der Denunziant freut sich: „Läuft!“

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Familie terrorisiert, Existenz beinahe vernichtet, wieder ein Exempel an einem Andersdenkenden statuiert – daß er dafür nicht nur Beifall von Gleichgesinnten bekam, sondern auch das erntete, was man in „Piraten“-Kreisen so als „Shitstorm“ zu bezeichnen pflegt – „Blockwart“ gehörte da noch zu den zurückhaltenden Prädikaten –, hat Lauer dann aber doch nicht so recht verkraftet.

Was tut ein kleiner Denunziant, wenn’s nicht gleich ein Fleißkärtchen vom Abschnittsbevollmächtigten gibt? Erst beschimpft er die Kritiker wahllos wüst im Minutentakt und fordert die eigene Gefolgschaft zum Solidaritätssaufen auf – und weil es genug Tröpfe gibt, quillt sein Twitter-Konto jetzt auch von Spirituosenflaschenbildern und „schnapsforlauer“-Botschaften über.

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Dann stilisiert er sich selbst als Opfer und halluziniert sich in ein Superheldenkostüm: Er habe die Piraten „überlebt“, brüllt es zwischendrin in Größtbuchstaben, hinter ihm sei nämlich einer gesessen, der später zum Mörder wurde, der hätte ja auch ihn …

Und schließlich, weil die Kritik trotzdem nicht nachläßt und der Gegenwind immer stärker wird, zieht er dann doch den Schwanz ein: Er habe selbst bei der Sparkasse angerufen und gebeten, daß der Mann „aufgrund seiner unüberlegten Mail um Himmels willen nicht seinen Job verlieren“ soll.

Ach ja, und was war dann nun die schlimme Botschaft, für die ein unbescholtener Mann, der Steuern zahlt und nicht auf Kosten anderer lebt, offenbar die öffentliche Hinrichtung verdient? „Sehr geehrter Herr Lauer, vielen Dank für ihre Aussage gegenüber dem Verhalten unserer Polizei an Silvester in Köln und dem Begriff Nafri! Ich und mein Bekanntenkreis sind uns nun endgültig sicher bei der diesjährigen BW die einzig wahre Partei zu wählen, nämlich AfD. SPD war einmal und versinkt hoffentlich in der Bedeutungslosigkeit, es ist langsam unerträglich. Mit freundlichen Grüßen…“

Tatsächlich: Um die SPD muß es schlimm stehen, wenn sie sich zusätzlich zu Wählerabschreckungs-Allzweckwaffen wie „Pöbel-Ralle“ Ralf Stegner auch noch Schmalspur-Denunzianten wie Christopher Lauer leistet. Schlau ist was anderes.

Christopher Lauer: Ex-Pirat, Ex-Abgeordneter und nun SPD-Mitglied Foto: dpa

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