Mikrofone (Symbolbild)
Mikrofone (Symbolbild): Das Problem ist das Denken dahinter Foto: dpa
Meinung

Teuflische Irrtümer

Jeder macht einmal Fehler. „Errare humanum est“ schrieb der Redner Seneca der Ältere aus den Asterix-Heften ab: Irren ist menschlich. Auch die Bibel mahnt zur Zurückhaltung, bevor einer den ersten Stein wirft: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“, heißt es in der Bergpredigt (Mt 7,1). Oft übersehen wir den Balken im eigenen Auge, wenn wir auf den Splitter im Auge des Nächsten schauen und auf ihn Spott und Häme ausgießen.

Das bedeutet jedoch nicht, alles Mangelhafte zu vernachlässigen, denn bisweilen offenbaren fehlerhafte Äußerungen mehr über den, der sie macht, als diesem lieb sein sollte. Das gilt besonders für Politiker, die meinen, sich zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu Wort melden zu müssen. Da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken, und so greifen sie gern auf Denkschablonen zurück. An dieser Stelle sollten wir als betroffene Bürger genauer hinschauen.

Gefährliche Denkschablonen

Ein Beispiel ist die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Deutschen Bundestag, Katrin Göring-Eckardt. Sie behauptete am 19. September im Morgenmagazin: „Dresden, das ist vor allem die Frauenkirche, die ist wieder aufgebaut worden, nachdem die Nazis sie zerstört haben.“ Selbst die meisten Linken wissen, daß die Kirche britischen Luftschlägen zum Opfer fiel. So schmierte sich Mercedes Reichstein auf ihren nackten Leib nicht „Tu es wieder, Adolf Hitler“, um ihre Sympathie für die Zerstörung Dresdens zu bekunden, sondern „Bomber Harris, do it again!“ Es ist aber dennoch nicht anzunehmen, daß Göring-Eckardt mit ihrer Aussage die Geschichte bewußt klittern wollte. Sie hat lediglich die Nazi-Denkschablone so verinnerlicht, daß sie alles Böse dieser Welt automatisch dem Nationalsozialismus ankreidet.

Selbst so gestandene CDU-Politikerinnen wie Julia Klöckner, die 2016 Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz werden möchte, sind nicht vor unsinnigen Äußerungen gefeit. „Um 7.15 Uhr spreche ich im Live-Interview mit dem Deutschlandfunk über die Flüchtlingsfrage und wer für die Kosten aufkommt. Der Steuerzahler jedenfalls nicht – der Bund hat gut gewirtschaftet!“ Das schrieb Klöckner am 27. Oktober, was mich dazu ermunterte, um die Rücküberweisung meiner gezahlten Steuern zu bitten. Daß der Bund über eigenes Geld verfügt und deshalb auf Steuergeld verzichten kann, ist natürlich Quatsch.

Auch in diesem Fall ist nicht anzunehmen, daß Klöckner die Wähler bewußt täuschen wollte. Sie wollte mitteilen, daß es keine Steuererhöhungen geben wird. Wie sie es aber sagte, zeigte die Denkschablone vieler Politiker. Die Regierung verfügt über eine Masse Geld, die sie nach Gutdünken verteilen kann. Daß ihr dieses Geld vom Bürger nur anvertraut ist und diesem dafür rechenschaftspflichtig ist, gerät aus dem Blick. Das sehen wir bei jeder Diätenerhöhung.

Lösungen werden verhindert

Sicher finden sich leicht viele weitere Beispiele. Sie alle zeigen, daß das Festhalten an Denkschablonen problematisch ist. Das Problem ist weniger die falsche Aussage, weniger das scheinbar mangelhafte Wissen, sondern vielmehr das Denken, das sich hinter solchen Botschaften verbirgt. Es führt dazu, den Dienst am Volk zu vernachlässigen.

Wer alles Böse dieser Welt reflexartig einer bestimmten politischen Ecke zuschreibt, ist nicht in der Lage, die Ursachen von Problemen auch einmal an anderen Stellen zu suchen und zu finden. Wer so tut, als ob die Regierung über eigenes Geld verfüge, der wird weniger Rücksicht auf das Geld der Steuerzahler nehmen. Das vollständige Zitat von Lucius Annaeus Seneca lautet übrigens: „Irren ist menschlich, aber auf Irrtümern zu bestehen ist teuflisch.“

Mikrofone (Symbolbild): Das Problem ist das Denken dahinter Foto: dpa

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