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Kasztantowicz
Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) findet die Biographie von Turnvater Jahn zu „zwiespältig“ Foto: Christiane Trabert/berlin.de

Politische Korrektheit
 

Schwer vermittelbar

Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg gibt es die John-Schehr-Straße, benannt nach dem früheren Stellvertreter des KPD-Führers Ernst Thälmann. Dort besuchen 262 ABC-Schützen die Turnvater-Jahn-Grundschule, benannt nach dem Pädagogen, antinapoleonischen Befreiungskämpfer und späteren Paulskirchenabgeordneten Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852).

Doch sowohl die Schulleitung als auch der Bezirk „schämen sich für den Namenspatron“, wie der Berliner Kurier meldete, wohlgemerkt für Jahn und nicht für Schehr. Zu „altbacken“, klagt die Direktorin, weil dessen Biographie zudem „sehr national geprägt“ sei: „Das paßt nicht zu uns.“ Also hat die seit 2013 dort tätige Pädagogin einen Entscheid forciert, die Schule umzubenennen.

Auch die zuständige Schulstadträtin, Lioba Zürn-Kasztantowicz, bekräftigt den Schritt. Jahns Persönlichkeit werde als zu „zwiespältig und für die Grundschulkinder als schwer vermittelbar wahrgenommen“, meint die SPD-Politikerin. Ab dem 20. März wird die sport-orientierte Grundschule nun also „Bötzow-Schule“ heißen, wie eine benachbarte Straße. Diese wiederum wurde nach Julius Bötzow benannt – einem Berliner Bierbrauer.

JF 10/15