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Neuer „Claim“ der Deutschen Welle Foto: dw.com
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Deutsche Welle wird „Die Dabbelju“

Die Verwandlung eines deutschen Fernsehsenders, der einst weltweit für deutsche Sprache und Kultur warb, in einen englischsprachigen Politkanal nimmt Formen an. Am 22. Juni ging „DW News“ auf Sendung, das rund um die Uhr vollständig in englischer Sprache – mit amerikanischem Akzent – ausgestrahlt wird. Im Gegenzug wird das deutsche Programm weitgehend abgeschaltet. Der Satellitenempfang einer deutschsprachigen Version ist nur noch in Asien und Nordamerika möglich.

Auch für das deutsche Restprogramm lautet der allgemeine Wahlspruch, von der Deutschen Welle natürlich „Claim“ genannt: „Made for minds“, also etwa: „für den Verstand gemacht“ oder „hergestellt für Denker“. Ohne Englischkenntnisse gibt es jedoch kein Verstehen. Die Sprache der Dichter und Denker ist offenbar nichts für den Verstand, wie ihn sich die Deutsche Welle wünscht. Man fragt sich, wo der Verstand der Verantwortlichen sitzt oder warum er ausgesetzt hat.

Amerikanischer Akzent

Intendant Peter Limbourg drechselt bereits, selbst wenn er (noch) Deutsch spricht, seine Sätze nach englischer Grammatik: „Wir glauben, das Interesse an Deutschland ist sehr hoch.“ Limbourg hat sich zum Ziel gesetzt, CNN und BBC nachzuäffen. Er wird jedoch daran scheitern, weil die finanziellen Mittel dafür ungleich geringer sind, um den großen Sendern Konkurrenz machen zu können. Die gesamte Deutsche Welle muß 2015 mit knapp 300 Millionen Euro Steuergeldern zurechtkommen.

Dennoch setzt Limbourg mit Zustimmung der Bundesregierung die Amerikanisierung durch, auch wenn es auf Kosten der weltweiten Vermittlung deutscher Sprache und Kultur geht. Der Anteil des auf englisch gesendeten Programms hat sich nun vervierfacht. Drei neue Fernsehstudios sind dafür in Berlin errichtet worden.

In Bonn auf englisch

Zur Eröffnung von „Die Dabbelju“ – so spricht sich der Sender selbst auf englisch aus – fand vom 22. bis 24. Juni in der Bundesstadt Bonn ein Kongreß statt, das „Global Media Forum“. Obwohl das Forum in Deutschland und mit hauptsächlich deutschen Teilnehmern stattfindet, sind sowohl Programm als auch Kongreßsprache Englisch. Die Netzseite wird in Englisch und nur in kleinen Bruchstücken in Deutsch angeboten.

Im Programmheft haben sich die Veranstalter und Förderer nicht entblödet, ihre Grußworte ausschließlich auf englisch zu schreiben. Es grüßen somit „Director General of Deutsche Welle“ Peter Limbourg, „Federal Minister for Foreign Affairs“ Frank-Walter Steinmeier, „Federal Minister for Economic Cooperation and Development“ Gerd Müller, „CEO of Sparkasse Köln-Bonn“ Artur Grzesiek und „Mayor of Bonn“ Jürgen Nimptsch. Grußworte von Nichtdeutschen gibt es nicht.

Mehr Distanz zum Geldgeber, der das ganze bezahlt – nämlich das deutsche Volk – geht nicht. Wenn zum Beispiel Steinmeier in seinem Grußwort die geplante Einschränkung der Freiheit im Netz andeutet („The digital age needs a rule based international order“), dann ginge das auch den deutschen Bürger etwas an.

„Local Heroes“ als Zielgruppe

Für die Neuausrichtung der Deutschen Welle hat der Sender vom Bund zwölf Millionen Euro zusätzlich bekommen. Als Zielgruppe werden „Local Heroes“ benannt. Die Deutsche Welle übersetzt es in einer Pressemitteilung mit „unabhängige Köpfe“. In Wirklichkeit sind Zuschauer gemeint, die mit der politischen Linie der Deutschen Welle übereinstimmen und in ihrer Meinung bestärkt werden sollen.

Das Werbefilmchen zur Eröffnung des neuen 24-Stunden-Kanals erklärt nämlich im breitesten Amerikanisch: „Local Heroes need global insights.“ Den Zuschauern sollen folglich Erkenntnisse vermittelt werden, die nicht im Sinne der deutschen, sondern der globalen Sprache und Kultur sind. Jeden Bezug zu Deutschland vermeidet das Werbefilmchen peinlichst. Im Hintergrund der Moderatorin sind nicht die deutschen Farben zu sehen, sondern die Sterne der Europäischen Union. Deutschland wird auf Kosten des deutschen Volks abgeschafft.

Statt Gegenpropaganda zum Denken ermuntern

Die Umwandlung vom Kultur- zum Politsender mit amerikanischem Akzent ist auch von der Bundesregierung gewollt. Laut Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) soll „DW News“ etwa ein Gegengewicht zur „russischen Desinformationspolitik“ bilden. Deutsche Sichtweisen vermittelt man jedoch nicht, indem man Gegenpropaganda verbreitet und anderen seine Sichtweisen aufdrängt. Damit begibt man sich auf dieselbe Ebene derer, die man bekämpfen möchte, und macht sich unglaubwürdig.

Um deutsches Denken vorzustellen, sollte man statt dessen lieber die Besonderheiten von Land und Leuten und die Vielfalt der Meinungen in Deutschland ins rechte Licht rücken. Es gibt durchaus auch eine deutsche Tradition, zum Selbstdenken zu ermuntern, statt anderen das Denken abzunehmen. Mit einer solchen Linie würde sich die Deutsche Welle tatsächlich von so manchem anderen internationalen Anbieter unterscheiden. Es ist also dringend geboten, den Limbourger Käse so bald wie möglich zu beenden.

Neuer „Claim“ der Deutschen Welle Foto: dw.com

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