Meinung

Der Euro wird zum politisch manipulierten Weichgeld

Morgen, Kinder, wird’s was geben: Wenn die Europäische Zentralbank den lange erwarteten Beschluß faßt, im großen Stil – die Rede ist von 550 Milliarden Euro – Staatsanleihen anzukaufen und damit noch mehr Geld aus dem Nichts in die Kreisläufe zu pumpen, wird EZB-Präsident Mario Draghi auf dem Weg, aus dem Euro, der mal hart wie die Mark werden sollte, ein politisch manipuliertes Inflations- und Umverteilungsgeld nach Art der italienischen Lira zu machen, wieder einen großen Schritt weiter sein.

Kaum jemand zweifelt, daß es so kommt, nachdem das Gutachten des Generalanwalts des Europäischen Gerichtshofs dafür de facto grünes Licht gegeben hat. Die Bundesbank als einsamer Rufer ist entmachtet und wird überstimmt, die politische Rückendeckung aus Berlin ist so lahm, daß sie faktisch nicht vorhanden ist.

Die Deutschland zuliebe erwogene Einschränkung, nur nationale Zentralbanken sollten die Titel ihrer jeweiligen Regierungen ankaufen, ist Kosmetik ohne Wert. Im Zentralbankverbund haften alle für alle. So sehen es die Finanzmarktakteure, deshalb gehen die Aktienkurse nach oben und der Eurokurs in den Keller.

Die Schweiz zieht die Notbremse

Die Schweizer Nationalbank hat deshalb die Notbremse gezogen: Wäre sie letzte Woche nicht aus der Koppelung des Franken an den Eurokurs ausgestiegen, für die sie in den letzten dreieinhalb Jahren zig Milliarden Franken verbrannt hat, wäre sie ebenfalls in den Inflationsabgrund gezogen worden, hätte die Druckerpresse heißlaufen lassen, ihre Bilanz ruinös aufblähen und den Franken zum Weichgeld degradieren müssen.

Erinnert sich noch wer an die Zeiten, als man als Deutscher gern in südliche Länder in Urlaub fuhr, weil man mit der D-Mark eine harte Währung in der Tasche hatte, mit der man sich etwas leisten konnte? Den Part haben jetzt die Schweizer übernommen; wir sind die mit der Lire, den Drachmen, den Denaren.

Die hämische Kritik in Politik und Medienkommentaren an den Schweizern zeugt von erstaunlicher Blindheit für Realitäten, historische Erfahrungen und aktuelle Zusammenhänge. Das landauf, landab beschworene Mantra, eine weiche Währung „helfe“ der Exportwirtschaft, ist eine Milchmädchenrechnung.

Langfristige Schäden

Für angeschlagene, von Primärexporten lebende Volkswirtschaften wie einige der südeuropäischen mag dies kurzfristig und bedingt zutreffen. Komplexere Exportnationen wie Deutschland sind nicht nur auf Importe von Energie und Vorprodukten angewiesen, die mit Weichgeld teurer werden. Dem schnellen Nutzen für wenige stehen mittel- und langfristige Schäden für viele gegenüber.

Vergessen ist offenbar, daß die deutsche Volkswirtschaft mit der harten D-Mark an die Weltspitze aufgestiegen ist. Die starke heimische Währung zwang zu Innovationen und höchster Qualität, um mit teuren, aber weltweit geschätzten und einmaligen Produkten wettbewerbsfähig zu bleiben. Für die Absicherung gegen Währungsrisiken gab und gibt es zudem viele andere Mittel als die Schwächung der eigenen Währung.

Die Schweiz wird diesen Weg nach Überwindung des ersten Abwertungsschocks weiter gehen. Sie wird auch davon profitieren, daß eine starke heimische Währung mit hoher Kaufkraft Wohlstand in der Breite schafft und Mittelschicht und Arbeiterschaft am ehesten sozial gerecht am Erfolg der ganzen Volkswirtschaft teilhaben läßt: Mit starker Mark und starkem Franken kann man sich mehr leisten, seien es Importwaren oder Auslandsreisen.

Politisch manipuliertes Weichgeld

Politisch manipuliertes Weichgeld nützt dagegen nur wenigen. Im Fall der Euro-Inflationierung sind die Profiteure klar auszumachen. Neben einigen kurzfristig rechnenden Konzernen sind das vor allem marode Banken, deren finanzielle Kartenhäuser durch die Geldflut noch eine Weile vor dem Zusammenbruch bewahrt werden, Spekulanten wie der US-Milliardär Soros, die an Schrottanleihen wackelnder oder bankrotter Euro-Staaten gut verdienen, und nicht zuletzt die staatlichen Umverteiler, deren Macht über die ausgeplünderten Bürger mit der Verteilmasse wächst, und die Finanzminister, deren überschuldete Haushalte nur durch Inflationierung und manipulierte Niedrigzinsen überhaupt noch aufgehen.

Ohne weichen Euro und Sparer-Milliardenenteignung über künstliche Niedrigzinsen hätte Wolfgang Schäuble keine „Schwarze Null“ außer seiner selbst, und Italien und Frankreich stünden vor der Pleite. Dieser Offenbarungseid wird durch die morgen anstehende Entscheidung noch einmal hinausgezögert.

Bluten müssen die Sparer

Bluten müssen dafür die Sparer und Steuerzahler, nicht nur, aber vor allem in Deutschland, die jährlich Milliarden durch Kaufkraftverlust und entgangene Zinsen verlieren, sich Immobilien kaum noch leisten können, weil die Euro-Geldschwemme dort neue Preisblasen produziert, und die beim schließlichen Zusammenbruch des Euro-Schuldenturms als ultimativer Kreditgarant von Draghis Flunkergeld auch noch für die Scherben haften werden.

Ab morgen heißt es für die Deutschen mehr denn je: Statt „Wohlstand für alle“ – Lire für alle.

Euro unter Wasser: Die neue weiche Währung Foto: dpa

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