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Wahlsiegerin Angela Merkel
 

Das Geheimnis ihres Erfolges

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Bundeskanlerin und CDU-Chefin Angela Merkel Foto: picture alliance/Breuel-Bild

Alle Kritik an Angela Merkel ist ins Leere gelaufen. Sie hatte es nicht einmal nötig, ihr zu widersprechen. Ignoranz genügte. Wer ihre Rhetorik spannungsfrei oder infantil nannte, beeindruckte nur eine Minderheit. Wer darauf hinwies, daß sie sich in Brüssel regelmäßig über den Tisch ziehen läßt und mit ihrer Euro-Rettungspolitik die deutsche Wirtschaft und Finanzen ruiniert, wurde der Europa-Feindschaft und der Schwarzmalerei geziehen.

Die Menschen machen sich zwar Sorgen um ihr Geld, aber so genau wollen sie es nicht wissen. Beseligt haben sie Merkels mütterliches Lächeln aufgenommen und erwidert: Die Mutti wird’s schon richten!

Merkel sichert meisterhaft ihre Hausmacht

In der politischen Mythologie und Praxis Deutschlands hat das Weibliche bis vor kurzem eine untergeordnete Rolle gespielt. Manche wollten daraus eine deutsche Neigung zum Militärischen und zur politischen Unduldsamkeit ableiten. Aus dieser Perspektive wird Merkels Kanzlerschaft als kultureller und mentaler Schritt nach vorn interpretiert. Sie verkörpere das Konsensuale, das unaufgeregt-abwägende Handeln, das Deutschland und Europa jetzt benötigten – und das umsichtigen Muttis nun mal eigen ist. So wird aus Küchenlogik eine massenkompatible Philosophie geknetet.

Im Ernst: Die Königinnen Elisabeth und Victoria, Zarin Katharina und Kaiserin Maria Theresia waren ausgebuffte Politikerinnen, die nach innen und außen mit harten Bandagen zu kämpfen wußten. Auch Merkel sichert meisterhaft ihre Hausmacht. Wo ihre Raffinesse jedoch in politische, vor allem außenpolitische Qualität umschlagen müßte, versagt sie völlig.

„Rabenmutti“ müßte es jetzt heißen

Den Schlüssel zum Familientresor hat EZB-Präsident Mario Draghi ihr längst entwunden. „Rabenmutti“ müßte es jetzt heißen als Äußerstes, was die politische Rhetorik im Merkel-Land noch hergibt.

Aber kein Widerspruch wird laut. Was auf den zweiten Blick auch nicht erstaunt, denn „Mutti“ impliziert zugleich ein unselbständiges Mündel: In diesem Fall die Wählerschaft, die, anstatt Merkels Kleinkinder-Jargon zurückzuweisen, sich in ihm aufgehoben fühlt und glauben will, daß ihre Hausmutter die beste der Welt ist. Der Beweis: Den Nachbarskindern geht es viel schlechter …

Merkels Muttisierung der Politik ist die Steigerungsform der unter Helmut Kohl begonnenen Entpolitisierung. In den Umrissen des „Pfälzer Riesen“ erkannte der frühere Merkur-Herausgeber Karl Heinz Bohrer „die Riesensilhouette der Mutter, die in der Küche unentwegt für die Kinder vom großen Laibe Brotstücke abschneidet, immer dasselbe Brot, Tag für Tag, seit Jahren“. Spannend wird es erst, wenn Mutti der Kinderschar erklären muß, daß außer dem Tresor auch die Speisekammer leer geräumt wurde.

JF 40/13

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