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„Die Zuwachsraten sind gewaltig“

Herr Grangier, 2007 hat die Schweizerische Volkspartei (SVP) europaweit mit einem interaktiven Online-Spiel im Wahlkampf für Furore gesorgt (JF berichtete).

Grangier: Ja, man kann sogar sagen, daß es weltweit Reaktionen gab, denn es hat tatsächlich die internationale Presse berichtet und sogar die Uno eine besorgte Anfrage bezüglich des Inhalts gestellt. Dabei war das Spiel Teil einer Kampagne, die eigentlich auf herkömmlichen Wahlplakaten basierte und die insgesamt zu dieser enormen Reaktion geführt hat. Damit meine ich nicht nur die – mitunter leider sogar gewalttätigen – Proteste, sondern vor allem die hohen Zugriffszahlen begeisterter Spieler, die später wohl auch entsprechend gewählt und uns 2007 den Wahlsieg gebracht haben.

Die Spieler lenkten den weißen Geißbock „Zottel“, das SVP-Maskottchen, um von einer Schafweide, die die Schweiz darstellt, die schwarzen Schafe, stellvertretend für kriminelle Ausländer, hinunterzuexpedieren.

Grangier: So ist es. Die Idee war, unsere Botschaft „Unsere Regeln gelten für alle“ zu wiederholen, einen politischen Sachverhalt mit einem Computer-Spiel eingängig darzustellen und ihn so zu popularisieren.  Entscheidend war dabei, daß durch das Internet eine hohe Verbreitung möglich war. So haben wir den Link zum Spiel per Newsletter verschickt. Viele Empfänger haben das Spiel dann ihrerseits an Freunde und Bekannte weitergeleitet. Ein Kaskadeneffekt trat ein, der sogar beim politischen Gegner funktioniert hat. Motto: „Schau mal, was die SVP da macht!“ Viele Leute haben dann natürlich neugierig reingeschaut und das Spiel mal ausprobiert. Entscheidend für diese Popularität war vor allem der interaktive Charakter des Angebots, der ermöglichte, auf einer ganz anderen Ebene die Leute mit politischen Inhalten anzusprechen. Vor allem auch junge Leute haben wir damit erreicht. Wir legen deshalb heute großen Wert darauf, die interaktiven Aspekte unseres Netzangebots ständig auszubauen.

Andere Rechtsparteien wie etwa die Lega Nord  haben Ihre Kampagne teilweise kopiert. Die SVP gilt inzwischen als Vorreiter in der Internetnutzung.

Grangier: Ob das auf europäischer Ebene tatsächlich so ist, vermag ich nicht zu sagen, weil die SVP da keinen Austausch pflegt. Unter den Schweizer Parteien sind wir aber wohl in der Tat, zumindest was das Internet angeht, die Innovativsten. So hatten die anderen Parteien weder ein Online-TV noch Online-Spiele. Das hat uns zweifellos einen Vorteil verschafft.

Welche Bedeutung hat das Internet für die politische Arbeit heute insgesamt?

Grangier: Das Internet ist für uns inzwischen einer der Hauptinformationskanäle. Im Jahr 2007 hatten wir neun Millionen Zugriffe auf unsere Netzseite, 2008 waren es mit 12 Millionen schon 25 Prozent mehr, und 2009 werden wir voraussichtlich 14 bis 15 Millionen haben. Die Zuwachsraten sind also gewaltig und der Gesamtanteil auch, denn Sie müssen bedenken, daß die Schweiz nur sieben Millionen Einwohner hat.

Wie weit kann herkömmlicher Wahlkampf mit Infoständen, Versammlungen etc. durch den indirekten Wahlkampf per Medien ersetzt werden? Wird sich die Konzentration aufs Internet nicht vielleicht einmal rächen?

Grangier: Das ist in der Tat eine Gefahr, vor der man sich hüten muß. Das Internet darf in der Politik immer nur als komplementäres Element verstanden werden. Grundlage bleibt weiterhin der möglichst direkte Kontakt zu den Menschen. Zu einer Partei, deren Vertreter für die Bürger nicht real erfahrbar sind, hat man kein Vertrauen. Und etwas weiteres darf man ebenfalls nicht vergessen: Auch wenn die Bedeutung des Internet weiter wachsen wird, noch leben wir zwischen zwei Generationen – noch lange haben nicht alle Schweizer Internet  bzw. sind gewohnt, es ständig zu benutzen. Wer aber Erfolg haben will, der darf diese Leute nicht vergessen.                      

Kevin Grangier: Der ausgebildete Mediamatiker, Jahrgang 1985, leitet als stellvertretender Pressesprecher den Internet-Auftritt der Schweizerischen Volkspartei ( www.svp.ch ), die im Wahlkampf 2007 mit dem Online-Spiel „Zottel“ für Aufsehen sorgte.

Foto: SVP-Online-Spiel: „Spieler, die dann auch uns gewählt haben“

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