Obamas Stratege

Als Barack Obama nach seiner Wahl den Politikberater Rahm Emanuel zum künftigen Stabschef des Weißen Hauses ernannte, wirkte das wie ein Dementi des Versprechens, einen milderen Ton in die amerikanische Politik zu bringen. Emanuel ist kein unbeschriebenes Blatt, und zu seinen vielen Talenten gehören milde Töne am allerwenigsten. Als „personifizierte Machtmaschine“ organisiert er effizient, rücksichtslos und knallhart. Wenige benutzen das F-Wort häufiger als er. Und er soll sogar Einschüchterungsrituale kopieren, wie man sie aus Mafia-Romanen kennt: Als Warnung läßt er Widersachern schon mal einen toten Fisch vor das Hotelzimmer legen. 2006 hatte der 1959 in Chicago geborene Kommunikationswissenschaftler und Abgeordnete des Repräsentantenhauses schon das Demokraten-Comeback dort mit so harter Hand organisiert, daß sich selbst Parteifreunde vor ihm fürchteten. Den Spitznamen „Rahm-Bo“, sprich „Rambo“, hat er verdient. Klar ist aber auch: Rahm — hebräisch: der Erhabene — kann gegen sich selbst genauso hart sein. Ob er in den Kinderjahren — auf Wunsch der Mutter, die einen Ballettstar aus ihm machen wollte — bis zur Erschöpfung trainierte oder ob er nächtelang durcharbeitete: Aufgeben kennt er nicht. Der neue Job krönt seine Karriere. Sein Zögern, Obamas Ruf zu folgen, erklärt sich damit, daß er auch im Kongreß noch etwas hätte werden können: Er galt als aussichtsreicher Nachfolger für dessen Sprecherin Nancy Pelosi. Für eine Politik des Ausgleichs im Nahen Osten, wie viele sie von Obama erwarten, ist Rahms Ernennung eher ein negatives Signal. Sein Vater stammt aus Jerusalem und gehörte der zionistischen Kampfgruppe Irgun an, die in Palästina Terroranschläge gegen Briten und Araber verübte. Als dessen Bruder im Kampf fiel, änderte die Familie ihren Namen diesem zu Ehren von Auerbach zu Emanuel. Auch Rahms jüdisch-israelisches Fundament ist fest gefügt. Ehefrau Amy konvertierte zum orthodoxen Judentum. Beide gehören der modern-orthodoxen Gruppe Anshe Sholom B‘nai Israel an. Der neue Stabschef besitzt die israelische Staatsbürgerschaft und gilt als Unterstützer der zionistischen Lobby Aipac. Er war es auch, der Obama bei einer Rede vor der Aipac eingeführt hat. Rahm Emanuel diente 1991 im zweiten Golfkrieg als Freiwilliger bei den israelischen Streitkräften und spricht fließend Hebräisch. Danach unterstützte er Clintons Wahlkampf und sammelte 72 Millionen Dollar Spenden ein. Dafür nahm ihn Clinton als Berater auf. Nebenbei war er auch Investmentbanker und saß im Aufsichtsrat des inzwischen insolventen Unternehmens Freddie Mae. Dort soll er in nur drei Jahren 18 Millionen Dollar verdient haben. Teils mit Kritik wurde in den USA ein Bericht der Jerusalem Post registriert, wonach Rahms Vater die Ernennung seines Sohnes als sehr gut für Israel bezeichnet habe. „Warum auch nicht? Er ist kein Araber, er wird nicht den Boden wischen im Weißen Haus.“

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