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Der Sieger von Wien

Heinz-Christian Strache hat etwas fertiggebracht, was man im April 2005, als Jörg Haider die FPÖ verließ, seine Wahlliste Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) gründete und dem nationalen Flügel die scheinbar dem Tode geweihte Freiheitliche Partei überließ, nicht für möglich gehalten hätte: Der 1969 in Wien geborene Zahntechniker, Vater von zwei Kindern, aber geschieden, hat die Freiheitlichen nicht nur vor dem Untergang bewahrt, er hat die damalige Vier-Prozent-Partei sogar aus der Bedeutungslosigkeit geführt und — zudem in Konkurrenz zu Jörg Haider — wieder zur drittstärksten Partei gemacht. Er hat der FPÖ binnen kurzer Zeit wieder zu Identität und Optimismus verholfen. Doch die Wunden aus jener Zeit sind noch nicht verheilt. Strache und die FPÖ können Haider nicht verzeihen, daß er die Partei und damit das gesamte Dritte Lager kaputtmachen wollte, nur um eine „Bewegung“ zu gründen, die ganz auf ihn, Haider, ausgerichtet sein sollte. Die Enttäuschung über das treulose Verhalten des Übervaters begann allerdings schon etwas früher: nämlich mit der Erklärung Haiders Anfang 2005, gegen einen EU-Beitritt der Türkei sei nichts einzuwenden. Und so wird seit der Parteispaltung jeder Annäherungsversuch Haiders von Strache barsch zurückgewiesen. Bei einer Diskussion im ORF verbat sich der FPÖ-Chef sofort Haiders „Du“, und bei sonstigen Zusammentreffen schaut der Bundesparteiobmann, wie Parteivorsitzende in Österreich heißen, regelmäßig an Haider vorbei. Straches Rezept: zurück zu den Ursprüngen, zurück zu den eigenen Themen. Seine Formel von der FPÖ als der „sozialen Heimatpartei“ zieht. Das Nationale wird dagegen nicht mehr oft thematisiert, ist aber zweifellos in den Kerngruppen der FPÖ weiterhin ein unausgesprochenes Band des Zusammenhalts. In Österreich gibt es eben nicht nur eine freiheitliche Partei, sondern — ganz anders als in der Bundesrepublik — ein traditionelles freiheitliches politisches Milieu: das Dritte Lager. Zu ihm zählt allerdings auch der feindliche Bruder BZÖ. Dieses Lager scheint am Sonntag erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg zur stärksten politischen Kraft Österreichs aufgestiegen zu sein (siehe Bericht Seite 7). Doch das birgt auch Gefahren. Strache mußte am Wahlabend mit ansehen, wie Haider als zweiter Wahlsieger einen überraschenden Erfolg feiern konnte. Straches öffentlicher Glückwunsch an den ungeliebten Kärntner wird von einigen Medien bereits als erstes Zeichen einer Annäherung gewertet. Das weisen Strache und die FPÖ-Granden allerdings vehement zurück. Sie wissen, daß Eins plus Eins mitunter weniger als Zwei ergeben kann. Und die vorhersehbaren erratischen politischen Kapriolen Haiders würden schnell den Keim für die nächste Krise des Dritten Lagers legen. Eine Vereinigungsdiskussion könnte aber vor allem die FPÖ innerlich zerreißen. Für Strache wird es daher auf absehbare Zeit keinen Weg zurück geben.

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