Eva Hermans Schwester

Sie ist Mutter – vor allem aber eine bekannte Journalistin. Sie besitzt selbsterklärtermaßen wenig Sinn für das, was man hausfräuliche Tätigkeiten nennt, äußerst jedoch immense Wertschätzung für ebensolche Verrichtungen. Sie veröffentlichte ihre Thesen zunächst in einer Zeitschrift, dann in einem Buch – dessen Umschlag bonbonfarben und mit einer im Comicstil gezeichneten Frau verziert ist. Ihre darin formulierte Forderung nach mütterlicher Präsenz gerade im Haushalt sogenannter Karrierefrauen hat für Furore gesorgt – Zigtausende, vor allem auf feministischer Seite, hat sie sich gar zu Feinden gemacht. Ihr eigenes Äußeres stellt das dar, was man üblicherweise attraktiv nennt: schulterlanges welliges Haar, blondgefärbt; gern läßt sie sich rosa gewandet ablichten, mit einem überaus freundlichen Lächeln: Eva Herman! Wer sonst? Nein, Caitlin Flanagan heißt die Dame aus Berkeley, Kalifornien, die in den Vereinigten Staaten bereits genau das vorexerziert hat, was ihre Schwester im Geiste Herman nun für Deutschland erledigt. Flanagan, Kunsthistorikerin und ehemalige Lehrerin, Gattin eines Filmproduzenten und Mutter von achtjährigen Zwillingen, arbeitet als Redakteurin des New Yorker und veröffentlicht regelmäßig unterhaltsame Essays im liberalen Atlantic Monthly. Ebendort war bereits vor zwei Jahren ein Artikel erschienen, in dem sie sich – wenngleich nicht mit dem Hermanschen Überschwang – kritisch mit dem Leitbild der berufstätigen Mittelklassemutter auseinandersetzte. Jenen, die eigene Zufriedenheit und berufliches Fortkommen über Fortpflanzung beziehungsweise die Erziehungsaufgabe stellten, entgehe Wesentliches: die prägende und unwiederholbare Kindheitsphase eigener Töchter und Söhne. Flanagan, die sich politisch den Demokraten zurechnet, hütet sich allerdings, ihren Lesern die heimelige, rundum ausgefüllte Welt einer Vollzeitmutter vorzuzeichnen. Sie leugnet nicht die anstrengende Gleichzeitigkeit von Über- und Unterforderung des Mutterberufs, fordert aber eine Zurückstellung der eigenen Bedürfnisse zugunsten der Kindererziehung ein. Den Feminismus geißelt die 38jährige als „elitäre und selbstsüchtige“ Bewegung. Frauen, so konstatiert sie, könnten heute alles erreichen, dennoch genössen die feministisch gestimmten unter ihnen augenscheinlich „die Vorstellung, unterdrückt zu sein.“ Im Frühjahr, fünf Monate vor Hermans „Eva-Prinzip“, ist in den Vereinigten Staaten Flanagans „To Hell with All That. Loving and Loathing Our Inner Housewife“ (Frei übersetzt: „Zum Teufel damit! Von der Liebe und dem Haß auf unsere innere Hausfrau“) erschienen. Die Aggressivität, mit der die Hausfrauen-Debatte seitdem hier wie dort geführt wird, zeigt nur, wie überfällig sie war. Warum, fragt sich nur, präsentieren sich diese Verfechterinnen einer „neuen Weiblichkeit“ ausgerechnet so gern in der Farbe Rosa? Weil das neben dem tragischen Emanzen-Lila so nett abgerundet wirkt? Ein kräftiges Zornesrot täte dagegen not! Kokettieren ließe sich damit freilich weniger leicht.

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