Der Rivale

Die Ergebnisse der letzten Vorwahlen (Washington, Michigan, Maine) sprechen eine klare Sprache: Die Demokraten wollen John Forbes Kerry als Präsidentschaftskandidaten. Kerry steht für alles, was die konservativen, christlichen Wähler ablehnen: Steuererhöhungen, Abtreibung, Homo-Ehe. Er hat sich 1991 gegen den Golfkrieg ausgesprochen, gegen die freie Schulwahl und gegen Steuersenkungen. Er hat gegen den konservativen Bundesrichter Clarence Thomas gestimmt ebenso wie gegen ein Verbot, die US-Fahne verbrennen zu dürfen. Und obendrein werfen ihm Veteranenverbände vor, er habe vertuschen wollen, daß sich noch immer gefangene US-Soldaten in Vietnam befänden. In einer Senatsdebatte Anfang der neunziger Jahre hatte er gar die Familien von angeblichen Kriegsgefangenen als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet. Der 60jährige Kerry gehört zu jener Ostküstenelite, die als Aristokratie der USA angesehen werden muß. Wie John F. Kennedy, mit dessen Familie die Familie Kerry befreundet ist, kommt auch Kerry aus Massachusetts, der Hochburg des amerikanischen Liberalismus. Ebenso wie Kennedy meldete er sich zur Navy und wurde nach Asien in den Krieg geschickt. Mit vier Medaillen, darunter zwei Verwundetenabzeichen, kehrte er nach Hause zurück. Anderes erinnert jedoch eher an Bill Clinton als an JFK. Kerry bewarb sich für ein Mandat im Kongreß, wurde aber nicht aufgestellt. Kennedy hatte Massachusetts noch zu Füßen gelegen – aber die Zeiten hatten sich geändert. Als dekorierter Vietnam-Veteran konnte er bei den Demokraten 1970 nicht punkten – also driftete er nach links ab, schloß sich „Hanoi-Jane“ Fondas Organisation „Vietnam-Veteranen gegen den Krieg“ an und wurde zur Ikone der Anti-Kriegsbewegung. 1982 gelang dem Juristen Kerry endlich der politische Quantensprung: Er wurde Stellvertreter von Gouverneur Michael Dukakis in Massachusetts. Heute kennzeichnen die Republikaner ihn mit der Kampagne „Denkt an Dukakis!“ als politischen Weichling. Zwei Jahre später rückte Kerry in den Senat ein. Verheiratet ist der Vater zweier Töchter mit der Witwe des Unternehmers und Senators John Heinz. Die Ketchup-Erbin ist mehrere hundert Millionen Dollar schwer und bringt die Unterstützung etlicher Frauen- und Umweltgruppen mit. Sollte Kerry den Sprung ins Weiße Haus schaffen, so wird sich die US-Außenpolitik in Hinblick auf den Nahen Osten nur um Nuancen ändern. Der Grund für diese relative Stabilität liegt in der Verbundenheit mit Israel – weniger in der Fortsetzung einer US-Machtpolitik á la Bush. Allerdings werden sich die USA wieder dem internationalen Regime unterwerfen, das sie selber erfunden haben: WTO, Kyoto-Protokoll, Internationales Kriegsverbrechertribunal und nicht zuletzt IWF und Weltbank. Doch ob nationalistisch oder internationalistisch, an der Hegemonie der USA ändert sich für Europa nichts.

Probeabo JF 2021 Gratis lesen

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

ähnliche Themen
Hierfür wurden keine ähnlichen Themen gefunden.
aktuelles