Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Mann ohne Ethos

Die Welt überschüttete ihn am letzten Wochenende mit Hohn und Spott. Sollte sich der frühere Diktator Saddam nicht freiwillig stellen, dann werde Deutschland seinen Superhelden in den Irak schicken, hieß es in der Sonnabend-Ausgabe. Der Chef der Arbeitsämter sei nämlich der „Unkündbare, den wir hierzulande zärtlich Florian Gerster nennen“. Natürlich sind die 1,3 Millionen Euro, die Gerster der PR-Agentur WMP dafür bezahlen wollte, daß sie Öffentlichkeitsarbeit für die Behörde betreibt, nicht wirklich viel Geld. Zumindest nicht verglichen mit den Werbeetats großer Konzerne. Aber das Arbeitsamt ist nicht die Allianz. Denn bei Gerster ist man zwangsweise versichert. Wer seine Arbeit verliert, muß auf jeden Fall sein Arbeitsamt aufsuchen, um Arbeitslosengeld zu beantragen und vermittelt zu werden. Wozu also eine Imagekampagne? Der 1949 in Worms geborene Sozialdemokrat Gerster hat sich bereits in der Vergangenheit damit hervorgetan, mit den Beitragsgeldern großzügig umzugehen. Es begann bei seinem Amtsantritt im Februar 2002: Während Amtsvorgänger Bernhard Jagoda 130.000 Euro jährlich verdient hatte und angeblich über einen Spesenetat von rund 30.000 Euro verfügte, bekam der gelernte Psychologe Gerster, vormalig Sozialminister in Mainz, mit 250.000 Euro erst einmal eine saftige Gehaltserhöhung. Kommentar Gerster: „Das bin ich wert.“ Auch sein Spesenkonto beläuft sich auf das Doppelte, das macht werktäglich etwa 250 Euro. Was macht der Mann mit dem vielen Geld? Lädt er ausgesuchte Arbeitslose in Nobelrestaurants oder auf die Reeperbahn ein? In Mainz hatte sich Gerster einen Namen als Modernisierer gemacht: Arbeitslose wurden gezwungen, auch schlechter bezahlte Stellen anzunehmen. Frühzeitig wies er auf die Probleme der sozialen Sicherungssysteme hin. Man merkt dem Genossen an, daß er eigentlich aus einem FDP-Haushalt kommt, sein Großvater war liberaler Kommunalpolitiker. In seinem Buch „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ hat er Abstriche am Sozialstaat gefordert, so will er etwa nicht länger dem „50jährigen Gerüstbauer eine teure Umschulung finanzieren“. Es ist auch Gerster, der hinter der Zusammenführung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe steckt. Das ist alles gut und richtig. Es ist aber zutiefst ungerecht und jedem preußischen Geist ­- sittliche Voraussetzung für die Führung einer solchen Behörde ­- abhold, anderen Opfer aufzuerlegen, ohne selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Gerster sieht sich eben selbst als Manager eines Dienstleistungsunternehmens. Seine Briefe überschreibt er laut FAZ mit „VV“ – als wäre er ein Vorstandsvorsitzender eines privaten Unternehmens. Ist er aber nicht. Es kann nicht sein, daß die Herrschenden „Wasser predigen und Wein saufen“, wie die Polizeigewerkschaft GdP kürzlich den Fall kommentierte. Die Polizei sollte es wissen, denn demnächst wird sich wohl der Staatsanwalt mit dem Fall beschäftigen.

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