Joachim Kuhs

 

Umkehr der Werte

In Köln soll am 1. September ein Denkmal für Deserteure eingeweiht werden. Köln ist nicht die erste und wohl auch nicht die letzte Stadt in Deutschland, die auf diese Idee kam. Die Zeit, in der solche Denkmäler noch öffentliche Proteste auslösten, ist vorbei. Die Generation der Soldaten, die dies provoziert, lebt nicht mehr. 

Denkmale sind vor allem eins: Aussagen, über die Einstellung zu den Ereignissen, denen sie gewidmet sind. Das bezeugen die Denkmäler des wilhelminischen Zeitalters eindrucksvoll. Aus ihnen spricht vor allem Nationalstolz, vom Niederwalddenkmal bis zum Denkmal für Armin den Cherusker. Damals galten Kriegshelden als verehrungswürdig; heute sind es Deserteure. Deutlicher läßt sich die Umkehr der Werte, deren Mißbrauch Deutschland ins Unglück gestürzt hat,  nicht illustrieren. Da nimmt es nicht wunder, daß der Wettbewerb um die Errichtung des vom Bundestag beschlossenen Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin von der Jury als gescheitert bewertet worden ist. Zeitgeist und Lebensgefühl stehen einer angemessenen Umsetzung des Auftrags offenkundig im Weg. Was für den Umgang mit Krieger- und Gefallenendenkmälern oder für das Gelingen eines Freiheits- und Einheitsdenkmals fehlt, ist offenkundig: Bejahung und Wertschätzung.

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