„Zug der Erinnerung“ wieder Thema im Bundestag

BERLIN. Die Bundestagsfraktion der Grünen hat die Bundesregierung dazu aufgefordert, wegen der Wanderausstellung „Zug der Erinnerung“ Druck auf die Deutsche Bahn (DB) auszuüben. Hintergrund sind anfallende Nutzungsgebühren, die sich für den fahrenden Ausstellungszug inzwischen auf 150.000 Euro summiert haben. Auch werde die Ausstellung, welche die Deportation hauptsächlich jüdischer Kinder während der NS-Zeit zum Thema hat, durch das Unternehmen „behindert“.

Seit Beginn der Ausstellung 2007 war es immer wieder zu Spannungen zwischen dem Verein und der DB gekommen. Als das Unternehmen vor einem Jahr anbot, die anfallenden Nutzungsgebühren für Trassen und Stationen von damals 100.000 Euro als Spende an eine jüdische Organisation zu überweisen, wurde dies empört zurückgewiesen. „Wir wollen dieses Geld nicht, wir brauchen dieses Geld nicht, weder die jüdische Gemeinschaft noch die Ausstellung“, sagte der Zentralratsvorsitzende der Juden in Deutschland, Stephan Kramer.

Die stellvertretende Bundestagsvizepräsidentin und Linkspartei-Politikerin Petra Pau warf dem damaligen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn „antisemitische Züge“ vor. Nun wird in dem Beschlußantrag der Grünen eben dies gefordert: Die Bundesregierung möge darauf hinwirken, daß die DB dem Verein „einen Beitrag spendet, der der Höhe der anfallenden Trassen- und Stationspreise für die Jahre 2007 bis 2009 entspricht“. Ferner wurde behauptet, daß die DB „jegliche Form der Hilfestellung“ ablehne.

Auch wußte der Bericht von einem regelrechten Überfall auf die Ausstellung durch DB-Personal zu berichten. Erst kürzlich sollen in München Hinweisschilder und Plakate der Ausstellung von Bahnbediensteten „abgerissen“ und „bewaffnete Security-Kräfte“ direkt vor dem Ausstellungszug postiert worden seien. „In das Getriebe der Lokomotive wurde Sand gestreut.“

Es sei „unerträglich“, wenn die DB diese Form der Auseinandersetzung ablehne, empörte sich die Grünen-Fraktion in ihrem Antrag weiter. Tatsächlich betreibt die DB ein eigenes Ausstellungsprojekt „Sonderzüge in den Tod“, welches allerdings auf Mißfallen der Politiker stößt. Es sei zwar „thematisch ähnlich“ gelagert, aber eine „eben ganz andere bahneigene Ausstellung“. Sollte die Bahn nicht zu einer weitergehenden Kooperation bereit sein, sollen dem Verein „alternativ“ die Gebühren durch Steuermittel finanziert werden.

Derzeit macht der „Zug der Erinnerung“ in Würzburg Station. Die Stadt hat das Konzept, welches vor allem von Schulklassen besucht werden soll, mit 6.000 Euro gefördert. (FA)

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