Machtloser Däne

Der Däne Anders Fogh Rasmussen, der am Montag seine Arbeit als neuer Nato-Generalsekretär aufgenommen hat, ist nicht zu beneiden. Er hat vor allem zwei Aufgaben vor sich, bei denen sich die Aussichten auf Scheitern oder Gelingen bestenfalls die Waage halten. Er muß 28 Staaten, die nach Größe, Interessenlage und politischem Personal unterschiedlicher kaum sein können, gleichzeitig durch denselben Reifen springen lassen. Eigene Macht hat er dabei keine.

Denn es ist nicht der Generalsekretär, der im größten Militärbündnis der Weltgeschichte das Sagen hat, sondern es sind die Granden wie die USA oder Möchtegerne wie Frankreich, die sagen, wo es langgeht. Er soll dafür sorgen, daß alle Nato-Staaten die Einsicht und das Geld dafür aufbringen, daß der militärische Einsatz des Bündnisses in Afghanistan vielleicht doch nicht zu einem Debakel wird. Und auf ihm lastet die Erwartung, die bislang vergebliche Suche der Allianz nach einem neuen strategischen Konzept zu einem Erfolg zu führen.

Rasmussen soll also Aufgaben lösen, die der Quadratur des Kreises gleichen. Immerhin bleibt ihm der Trost, daß das Amt als Sprosse zu noch größeren Karrieren gilt: Javier Solana stieg von da aus zum EU-„Außenminister“ auf, und es gilt als ausgemacht, daß ihm Rasmussens Vorgänger de Hoop Schaeffer in diesem Amt nachfolgen wird.

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