Entlarvte Schaukelpolitik

Der Karikaturenstreit hat vor drei Jahren die Fronten im Kampf der Kulturen klar abgesteckt. Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hat das Ansinnen, der Pressefreiheit aus Rücksicht auf totalitäre Religionsauffassungen einen Maulkorb anzulegen, undiplomatisch scharf zurückgewiesen und mit dieser demokratischen Selbstverständlichkeit den bleibenden Haß muslimischer Scharfmacher auf sich gezogen.

Das Bestreben des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan, nach seinem Davoser Ausfall gegen den langjährigen Militärpartner Israel nun auch den Karikaturenstreit neu aufzurollen und auf Drängen einiger islamischer Staaten Rasmussen als Nato-Generalsekretär zu verhindern, ist deshalb mehr als ein Wahlkampfmanöver. Erdoğan fühlt sich in der Rolle des Anführers aller Muslime sichtlich wohler als im Anzug eines verläßlichen Verbündeten des Westens. Der inszenierte Dissens zwischen Erdoğan und Staatspräsident Abdullah Gül entlarvt die angebliche „Brückenfunktion“ Ankaras zur islamischen Welt als eigennützige Schaukelpolitik. Die Türkei muß sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht. Ein Kalif Erdoğan, der den Feldzug islamistischer Eiferer gegen abendländische Grundwerte anführt, sollte weder in der EU noch bei der Nato erwünscht sein.

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