Jungs Tabubruch

Endlich ist das Wort gefallen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung verneigte sich „vor den Toten, die für unser Land im Einsatz für den Frieden gefallen sind“. Wo Soldaten fallen, ist Krieg. Gefallene Soldaten sind keine zufälligen „Opfer“, sie haben sich bewußt geopfert für Volk und Staat, die ihnen dafür „Dankbarkeit und Anerkennung“ schulden. Es war notwendig, daß der Verteidigungsminister, als Gedienter fast ein politischer Exot, für einen Moment die Euphemismen beiseite gelassen und seinen aktiven Kameraden durch Aussprechen des Selbstverständlichen den gebührenden Respekt bezeugt hat. Den Worten müssen Taten folgen. Dank und Anerkennung gebieten, Namen und Gesichter der Gefallenen nicht länger zu verstecken, sondern ihnen eine würdige Gedenkstätte zu widmen, an dem das ganze Volk ihrem Opfer die Ehre erweisen kann. Nur: Wer A sagt und von Gefallenen spricht, muß auch B sagen und den Krieg, den Deutschland in Afghanistan führt, beim Namen nennen. Die politische Klasse muß sich der Frage stellen, ob die Sache, für die sie mit dem Leben unserer Soldaten zahlt, den Preis wert ist, oder ob das erklärte Ziel, unsere Sicherheit in der Ferne zu verteidigen, nicht längst ins Gegenteil umgeschlagen ist. Jungs Tabubruch taugt nur als Anfang. Die öffentliche Debatte über diesen Krieg ist er uns noch schuldig.

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