Amerika, wie es die Deutschen nicht lieben

Laut Umfrage würden knapp 80 Prozent der Deutschen lieber Barack Obama als US-Präsidenten sehen als John McCain. Wegen Sarah Palin will Zeit-Kolumnist Harald Martenstein gar für Obama beten. Selbst manche JF-Leser äußern Sympathien für den Demokraten, der den Amerikanern „Wandel“ verspricht. Obama besitzt „Charisma“, in den USA eine unverdächtige Gnadengabe, stets fehlbetont auf der mittleren Silbe. Er kommt gut an bei Wählern, die von George W. Bush nach acht Jahren genug haben. Doch auch der Republikaner McCain, auf Abstand bedacht, spricht vom Aufbruch zu neuen Ufern! Die 80-Prozent-Sympathien der Deutschen sind  nicht getürkt. Sie entspringen dem Amerikabild,  wie sie es dank Hollywood, Michael Moore und Madonna lieben: Das „andere Amerika“ (Freiheit, Frieden, schwule Cowboys im ökologischen Westen) gegen das „rechte“ Amerika (Kapitalismus, Krieg, Guantánamo), der Friedensprediger gegen den Irak-Krieger. Doch Bilder können trügen. Auch Obamas Frieden beruht auf Waffenstärke. Er ist für die Todesstrafe, in schlimmen Fällen. Er hält Familienwerte hoch. Er predigt der black community Moral (mehr Ehemänner, weniger ledige Jungmütter), was Jesse Jackson, erfolgreicher Kindsvater, in nicht druckreifen Worten tadelte. Obamas wolkiges Friedenskonzept stößt im heartland, wo man Amerika grundsätzlich für gut, Außenpolitik für schlecht hält, auf Unverständnis. Nein, Obama hat noch lange nicht gewonnen.  Die Jewish vote ist Barack Hussein Obama nicht sicher. Schon beim ersten TV-Duell, veranstaltet von einem Pastor der Southern Baptists in einer kalifornischen Megakirche, lag McCain vorn. Dann sein Überraschungscoup: Die katholisch getaufte und zur pfingstlerischen Wasilla Bible Church gewechselte Sarah Palin, fünffache Mutter, junge Großmutter in spe. Die Stimmen von 60 Millionen Evangelikalen sind McCain sicher. Die Demokraten wollen der einstigen Anhängerin einer „Unabhängigkeitspartei“ im uramerikanischen Grenzland Alaska mangelnden Patriotismus anhängen? Selbst wenn: Die in puncto Abtreibung nachsichtigere Cindy McCain sammelt Stimmen in der „liberalen Mitte“, dort, wo Steuersenkungen immer gut ankommen. Auch wenn es den 80 Prozent nicht paßt: Ihr Amerikabild ist schief. Amerika ist multiethnisch, doch im Herzen noch immer puritanisch. Sein Glaube, gestärkt durch die Neocons, ist Amerika. Fazit: McCain/Palin sind 2008 das Traumpaar. Können wir Deutschen das ändern? No, we can’t!

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