Rundumschlag

Ulla Schmidt ist außer Rand und Band. Einmal sind es die Ärzte, die Kassenpatienten warten ließen. Dann ist es die Pharmaindustrie, die überflüssige Arzneimittel auf den Markt werfe. Schließlich sind es die Krankenkassen, die sich gegen eine Neuordnung des Systems stellten. Immer im Angriff, greift sie häufig zu kurz oder in den Fettnapf. Daß sich 232 Krankenkassen mit 30.000 Angestellten um die Beitragseinnahmen kümmern oder mit Werbekampagnen beschäftigt sind, die der Gesundheit nicht dienen, ist kritikwürdig. Das Argument der Gesundheitsministerin, die Verwaltungskosten der Kassen hätten aufgrund der derzeitigen Struktur seit 1995 von 6,1 auf 8,2 Milliarden Euro zugenommen, ist jedoch dummes Zeug. Wenn die Politik Disease Management-Programme (DMP) durchdrückt, verursacht das zusätzliche Verwaltungskosten, wer Hausarzt-Modelle haben will, muß Geld locker machen. Tatsächlich geht es der SPD-Genossin mit ihren vordergründigen Argumenten um eine nachhaltige Änderung der Krankenkassenlandschaft. Die sieben Spitzenverbände der Gesetzlichen Krankenversicherung sollen aufgelöst und durch einen Dachverband ersetzt werden. Auf Landesebene reiche ebenfalls ein Verband. Wichtig sei auch, daß Wissen gebündelt werde, so Schmidt. Dann sollte sie auch darüber nachdenken, Kassenfusionen spartenübergreifend zu ermöglichen und die Krankenkassen nicht mehr als Behörden, sondern als Unternehmen anzusehen, die einem echten Unternehmenswettbewerb unterworfen werden. Daraus könnte ein Schuh werden.

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