In der Kongo-Falle

Beim Einsatz der Bundeswehr im Kongo sollte man ehrlich sein. Wenn das Unternehmen die Absicht verfolgt, die deutschen Truppen auf Einsätze in exotischen Krisengebieten vorzubereiten, mag das Manöver seinen Sinn haben. Am Kongo könnte ebenfalls eine selbständige europäische Militäraktion durchexerziert werden, die einmal nicht unter dem Nato-Oberkommando des Pentagon stände. Die Vorstellung jedoch, der Demokratie in Schwarzafrika durch solche Truppenentsendungen zum Sieg zu verhelfen, ist entweder töricht oder heuchlerisch. In Afrika geben nicht politische Überzeugungen beim Urnengang den Ausschlag, sondern die Stammeszugehörigkeit. Am Ende dieser illusorischen Übung – die fortdauernden Gemetzel in anderen Landesteilen des Kongo gar nicht berücksichtigt – ständen deshalb wieder einmal chaotische Zustände oder die Machtergreifung eines neuen Despoten. Der Hinweis, daß die Präsenz von europäischen Kontingenten der afrikanischen Masse mehr Respekt einflöße als das Auftreten farbiger Uno-Bataillone, ist zwar richtig, klingt aber reichlich kolonial. Im übrigen sollte man nicht verschweigen, daß im postkolonialen Afrika die Interessen der internationalen Gruben- und Erdölkonzerne den Ausschlag geben. Diese schrecken nicht davor zurück, Söldner einzusetzen oder unter verfeindeten afrikanischen Stämmen Stellvertreterkriege auszulösen. Prof. Dr. Peter Scholl-Latour , Journalist und Publizist, schrieb zuletzt in JF 11/06 zum Thema BND-Affäre.

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