Ist ein Tabak-Werbeverbot für die Presse sinnvoll?

Ein Produkt, das in Deutschland täglich über 300 Menschen vorzeitig in den Tod befördert, dürfte heute, wenn es neu auf den Markt kommen würde, ganz sicher nicht verkauft werden. Der Tabak ist solch ein Produkt. Ein Werbeverbot für Tabakwaren außerhalb der eigenen Verkaufsräumlichkeiten ist daher weltweit durchzusetzen. Die Tabakwerbung richtet sich in erster Linie an Kinder, Jugendliche und Frauen. Das Rauchen wird als etwas Erstrebenswertes dargestellt. Viele Jugendliche beginnen mit dem Rauchen, weil sie sich einen Prestigegewinn erwarten, wenn sie sich mit einer bestimmten Marke identifizieren. Das Image der Werbung (cool, lässig, abenteuerlich, fit, gesund, frisch, fröhlich, sportlich usw.) wird zum Image des Jugendlichen. Der Aufruf der Tabakindustrie, rauchen soll sich auf Erwachsene beschränken, ist gleichzeitig ein Aufruf an Kinder und Jugendliche, mit dem Rauchen zu beginnen, um erwachsen zu wirken. Die Werbung richtet sich aber auch an Raucher und gibt diesen die Bestätigung, daß Rauchen ein „Genuß“ ist und daß sie die richtige Marke rauchen. Ohne Werbung hat der Raucher kein „Rückgrat“ mehr und würde Nichtrauchern gegenüber rücksichtsvoller werden. Die Tabakwerbung mit ihren Bildern und Slogans hindert ihn, auf seine innerste Stimme zu hören und mit dem Rauchen Schluß zu machen. Der Staat hat schon aus moralischen und gesundheitspolitischen Gründen die Verpflichtung, die Werbung für ein absolut gesundheitsschädliches Produkt zu verbieten, da es seine Aufgabe sein muß, den Bürger vor Schaden zu bewahren. Rauchen ist zum größten Todesfaktor geworden. Jeder Einsatz für das Rauchen (auch der Werbewirtschaft!) ist eine Werbung für Krankheit und Tod. Das Wohl der Allgemeinheit ist höher zu werten als das der Werbefreiheit! Robert Rockenbauer ist Bundesleiter der Österreichischen Schutzgemeinschaft für Nichtraucher ( www.alpha2000.at/nichtraucher ). Das von der EU angewiesene Presse-Tabakwerbeverbot wird nicht zu einem Rückgang des Zigarettenkonsums Jugendlicher führen, sondern stärker zum Konsum geschmuggelter und gefälschter Marken sowie selbstgedrehter Produkte. Darauf weist der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) auf der Grundlage von Erfahrungen mit Werbeverboten in anderen europäischen Ländern hin. So ist die Raucherquote in Frankreich und Italien nach dem Werbeverbot angestiegen und in anderen Staaten teilweise konstant. Die mit der Aura des Verbotenen umgebene Zigarette wird für Jugendliche wieder zum Markenzeichen der Rebellion. In den Staaten der Erde rauchen mindestens ein Viertel der Bevölkerung, unabhängig von totaler oder teilweiser Werbezensur. Dies hat auch das Verhalten in der DDR gezeigt, wo ohne jegliche Zigarettenwerbung der Zigaretten-Konsum sogar noch über den Werten Westdeutschlands lag. Es ist ein politischer Irrweg, wenn Renate Künast (Grüne) trotz Klage der Bundesregierung vor dem Europäischen Gerichtshof von einem Zwang zur Umsetzung des Brüsseler Dekrets spricht. Ein Vertragsverletzungsverfahren durch die EU, das Deutschland, wie Frau Künast meint, „aufgebrummt“ werden könnte, würde zwei bis drei Jahre Zeit in Anspruch nehmen, während das EuGH-Urteil Ende dieses Jahres, spätestens Anfang 2006 zu erwarten ist. Offenkundig ist Kanzler Schröder (SPD) bemüht, die brüchige Koalition selbst durch inkonsequentes politisches Handeln abzustützen. Dies hat sich auch kürzlich gezeigt, als der Kanzler vor der Lebensmittelwirtschaft die Position vertrat, das Übergewicht von Kindern dürfe man nicht dem Staat und den Unternehmen anlasten. Frau Künast dagegen läßt keine Gelegenheit aus, mit dem Finger auf die Wirtschaft zu zeigen und Beifall für die vorgesehenen Verbote von gesundheitsbezogenen Werbeaussagen zu spenden. Volker Nickel ist Sprecher des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft ( www.interverband.com/zaw ).

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