Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Alte Hüte aus London

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges soll die britische Besatzungsmacht ein geheimes Folterlager in Bad Nenndorf unterhalten haben? Man spürt den Unglauben der deutschen Redakteure, die die Meldung von der britischen Zeitung Guardian übernahmen.

Dabei ist das ein alter Hut ­- jedenfalls für jemanden, der sich informieren wollte. Allerdings fand man bislang die Schilderungen von Lagern, in denen auch die Westalliierten deutschen Gefangenen durch systematisches Foltern gewünschte Aussagen abpressen wollten, eher in "politisch nicht korrekter Literatur". Vor fünfzehn Jahren wurde sogar eine Doktorarbeit, in der auch über die Praktiken im geheimen britischen Verhörzentrum in Bad Nenndorf berichtet wurde, an der Universität in Münster eingereicht und später als Buch veröffentlicht.

Aber erst nachdem in Großbritannien die Tatsachen publiziert worden waren, wagten es die deutschen Medien, die Meldung zu übernehmen, dabei sie gleichzeitig in Frage stellend, indem man sie mit Fragezeichen versah und sie vorsichtig im Konjunktiv formulierte. Man umgab die Fakten mit einem Strauß in die Irre führender Behauptungen wie etwa, dort seien "vermeintliche russische Agenten" nach 1945 festgesetzt worden sowie "Anhänger von linken Gruppierungen". Alles Unfug! Hier sind deutsche Soldaten, Angehörige des Auswärtigen Dienstes und andere gequält worden, um gewünschte Aussagen zu erpressen. Die Fakten sind dann auch weniger aufschlußreich als ihre Behandlung durch viele deutsche Medien, die eher der Desinformation dient.

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