Menetekel Lafontaine

Oskar Lafontaine ist in sich selbst verliebt“, zürnte der SPD-Altlinke Erhard Eppler im Deutschlandfunk, nachdem der Ex-SPD-Chef via Spiegel den Rücktritt von Gerhard Schröder forderte und gleichzeitig drohte, zur Bundestagswahl 2006 als Spitzenkandidat für eine „Wahlalternative“ anzutreten. „Wenn er absolut unansprechbar ist, sollte man ihm nahelegen, die Partei zu verlassen“, forderte gar der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD-Landesgruppe im Bundestag, Hans-Peter Kemper, in der Rheinischen Post. Wenn Lafontaine ein Linksbündnis unterstütze, „dann muß man ihn rausschmeißen“. Auch wenn andere Spitzengenossen noch beschwichtigen – die Nerven liegen blank in der Kanzlerpartei. Letzten Montag haben sich deutschlandweit mehrere zehntausend Demonstranten versammelt, um gegen den radikalen Sozialabbau durch die Hartz IV-Gesetze zu protestieren. In Sachsen und im Saarland drohen der SPD verheerende Wahlpleiten, in Brandenburg ist gar ein PDS-Ministerpräsident denkbar. Eine neue „Linkspartei“, die 2005 bei den entscheidenden Landtagswahlen in NRW antreten und dabei auf den Bild-bekannten Lafontaine zählen könnte, würde dort locker den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Und sollten neben Lafontaine noch andere seriöse oder populäre Figuren kandidieren, dann ist die Bundestagswahl wieder völlig offen. Klingt das Parteiprogramm dazu noch „sozialpopulistisch“ statt linksradikal, dann werden wohl auch viele potentielle Rechtswähler oder vom Abstieg bedrohte Unionsanhänger ihr Kreuz „links“ machen.

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