Gerhard II.

Preisverleihungen sind Feste der Heuchelei. Glaubt man der Laudatio des Bundeskanzlers auf seinen türkischen Amtskollegen anläßlich der Verleihung des „Quadriga“-Preises in Berlin, handelt es sich bei Recep Tayyip Erdogan wohl um eine Art „Gerhard Schröder II.“: ein mutiger, weitblickender Reformer, der „beispiellose“ politische und gesellschaftliche Veränderungen in Gang gesetzt habe. So sieht der Kanzler sich selbst bekanntlich gerne, so will er uns auch den EU-Beitritt der Türkei schönreden. Tatsächlich aber stehen die vielgepriesenen „Reformen“ bisher nur auf dem Papier. Und Erdogan ist auch kein zweiter Atatürk, sondern ein echter Islamist, dessen Frau und Töchter sich nur mit Kopftuch zeigen und für den Demokratie lediglich ein „Vehikel“ ist. Als Oberbürgermeister von Istanbul wurde der Zögling des erklärten Islamisten und Kurzzeit-Premiers Necmettin Erbakan 1998 abgesetzt, nachdem er über Minarette, die zu Bajonetten werden, schwadroniert hatte. Nach vier Monaten Haft wegen Volksverhetzung lernte Erdogan dazu, er wurde Zwangsdemokrat und sagt jetzt, was Europäer gerne hören. Mit Erfolg – nach EU-Erweiterungskommissar Güter Verheugen hat ihm nun auch der Kanzler einen Blankoscheck für den EU-Beitritt ausgestellt. Bedenken von der SPD-Basis und vom dummen Volk, dem es vor den finanziellen und politischen Konsequenzen schaudert, werden selbstherrlich weggefegt. Schließlich ist Demokratie ja nur ein Vehikel, um ganz andere Ziele durchzusetzen – in dem Punkt scheinen sich Schröder und sein Islamistenfreund vom Bosporus besonders gut zu verstehen.

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