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Den Kampf gegen Anglizismen aufnehmen?

Die meisten Menschen in Deutschland – mehr als zwei Drittel – ärgern sich über die Anglisierung ihrer Muttersprache. Wir als Verein Deutsche Sprache (VDS) haben die Ergebnisse von rund zwanzig Umfragen gesammelt, an denen das deutlich wird. Die deutsche Sprache ist ein Stück Identität, ein Stück von uns selbst. Wir sind verärgert und empört, es tut uns weh, daß sie auf leichtfertige Weise zu einem deutsch-englischen Kauderwelsch gemacht wird. Das ist auch kein naturwüchsiger Vorgang, der mit lebendiger Sprache zu tun hätte, sondern dafür sind bestimmte Leute verantwortlich. Wenn etwa die Deutsche Telekom den Ausdruck „gebührenfrei“ durch freecall oder die Bahn den „Schalter“ durch „counter“ ersetzt, dann verändert sich die Sprache nicht auf natürliche Weise, sondern da hat jemand am Rädchen gedreht und in die Sprache eingegriffen. Wenn wir auf solche albernen englischen Brocken stoßen, fühlen wir uns als Sprachbenutzer mißachtet und finden, daß auch der deutschen Sprache nicht die Achtung entgegengebracht wird, die sie verdient. Wir sehen darin ferner eine Art von würdeloser, liebedienerischer Anpassung an eine Sprache und eine Macht, die ohnehin überall herrscht. Gegen Denglisch muß man mit Argumenten vorgehen. Wir sprechen besser Deutsch als Englisch. Es gibt keinen Grund, uns mit Hilfe von Anglizismen zu verständigen. In vielen Fällen ist das englische Wort keineswegs kürzer und selten treffender als das deutsche. Im übrigen sind die angeblichen Vorzüge der englischen Sprache für uns gleichgültig. Wir reden deutsch miteinander. Leider werden deutsche Begriffe oft ohne Not durch englische verdrängt – ich denke an „news“, „card“, „sale“ für „Nachrichten“, „Karte“ und „Schlußverkauf“. Für die neuen Dinge, die mit englischem Namen zu uns kommen, könnten wir leicht eine deutsche Bezeichnung finden. Dr. Gerd Schrammen ist stellvertretender Bundesvorsitzender des Vereins Deutsche Sprache e.V. (VDR) in Göttingen. Bei dieser Frage ist mein erster Gedanke: „Muß in Deutschland alles mit Kampf beginnen oder im Kampf enden?“ Also erlauben Sie, daß ich die Thematik reduziere auf die Alternativen, ob Anglizismen ge(er)wünscht und/oder ge(er)duldet sein sollten. Ge(er)wünscht: Kann man mit einem „Jein“ beantworten. In der Wissenschaft kommt man nicht umhin. Und manche ins Deutsche übernommene englische Begriffe beschrieben nur teilweise die Gesamtheit des Sinns. Nehmen Sie nur den Begriff „Business“. Nicht nur haftet dem deutschen Wort „Geschäft“ immer etwas Anrüchiges an, es beschreibt auch unzureichend lediglich einen Aspekt – den des Geldverdienens. Der „anglizistische“ Ausdruck hingegen umfaßt viel mehr die Gesamtheit einer beruflichen Tätigkeit. Ge(er)duldet: Duldsamkeit ist eine Eigenschaft, die nicht jedem gegeben ist. „Militante“ Verfechter eines „Kampfes gegen Anglizismen“ gehören sicher nicht dazu. In vielleicht 98,5 Prozent der Fälle bietet die deutsche Sprache ein oder mehrere Wörter, um den Sachverhalt zu beschreiben. Für die restlichen 1,5 Prozent muß jede Sprache – einfach, weil sie sich weiterentwickelt – Wörter aus anderen Sprachen übernehmen. Die Alternative wären langatmige, umständliche Umschreibungen. Sie wollen ein Beispiel: „Computer“ – der deutsche Begriff „Rechner“ (siehe oben „Business“)! Wenn Sie einen zweiten „Nachsommer“ schreiben wollen, dann umschreiben Sie ohne Anglizismen. Wenn Sie knappe, unmißverständliche Aussagen tätigen müssen, werden Sie um das eine oder andere englische Wort nicht herumkommen. Die Worte des US-Notenbankchefs Alan Greenspan: „Sollten Ihnen meine Aussagen zu klar gewesen sein, müssen Sie mich mißverstanden haben.“ Das Zitat von ihm hängt in meinem Sekretariat. Dr. Michael Th. Kris ist Herausgeber des in München erscheinenden „Marketing Report Health“, eines vierteljährlich aufgelegten Gesundheitsmagazins.

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