Das Köpferollen

Er war der einzige wirklich profilierte Kopf und uneingeschränkter Herrscher in der Südwest-FDP. Jetzt geht Wolfgang Döring in Pension. Aber natürlich nicht mit sofortiger Wirkung. Am 18. Juni kündigte er seinen Rücktritt für den 1. Juli an. Dann ist die nächsthöhere Pensionsstufe fällig. Bei Verfehlungen seines Intimfeindes Jürgen Möllemann war Döring stets als erster zur Stelle, um ihn zu kritisieren. Jetzt ist es Döring, der mit einer zweifelhaften Spende und Kontakten zum PR-Berater Moritz Hunzinger Schlagzeilen produziert hat. Erinnern wir uns: Möllemanns Landesverband NRW ging aus der letzten Bundestagswahl so stark wie nie zuvor hervor, während die FDP in Bayern und Baden-Württemberg dramatisch verlor. Deswegen trat Möllemann mit einem sarkastischen Seitenhieb auf seine Parteifreunde im Süden als stellvertretender Bundesvorsitzender zurück, um auch „die Verantwortung für das schlechte Abschneiden der FDP in Bayern und Baden-Württemberg“ zu übernehmen. Und wer genau hat die Wahl in Baden-Württemberg verloren? Birgit Homburger war die Spitzenkandidatin. Jetzt soll sie die neue FDP-Landesvorsitzende werden. Auch für den Posten des Wirtschaftsministers hat die Partei keinen adäquaten Nachfolger parat: Der Neue heißt Ernst Pfister. Der Turnlehrer sitzt seit 24 Jahren im Parlament. Besonders aufgefallen ist er dort nicht. Döring hatte neben Machtbewußtsein wenigstens Charisma. Die Südwest-FDP steht nach seinem Abgang vor einer existentiellen Krise.

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