Zeichen an die Welt

Das hat es noch nie gegeben: Am Nationalfeiertag der Franzosen führt ausgerechnet ein deutscher General die traditionelle Militärparade auf den Pariser Champs Élysées an. Von einem solchen Schauspiel militärischer Pracht können Bundeswehrsoldaten nur träumen, weil es in Nachkriegsdeutschland Vergleichbares nicht gibt. Starker Tobak für französische Chauvinisten, die noch heute an den Niederlagen von 1871 und 1940 leiden. Um so größer ist die Ehre für den deutschen Generalleutnant Holger Kammerhoff, den Kommandeur des aus französischen, deutschen, spanischen, belgischen und luxemburgischen Soldaten bestehenden Eurokorps. Der multinationale Großverband für Krisenreaktionseinsätze gilt als Nukleus für eine gemeinsame EU-Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Der 14. Juli 2003 ist ein deutliches Zeichen an die Welt, bewußt gesetzt von Frankreichs Staatspräsidenten Jacques Chirac: Die einstige „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschen und Franzosen ist endgültig überwunden. Die deutsch-französische Freundschaft ist durch die gemeinsame Ablehnung des Irak-Krieges noch stärker geworden. Beide Nationen verstehen sich als Motor des Zusammenwachsens in Europa. Viele Symbole zeigen das. Der deutsche General fährt in einem französischen Panzerspähwagen, zu seinem deutschen Flecktarn-Kampfanzug trägt er einen französischen blauen Seidenschal. Die eigentliche Botschaft aber lautet: Nur gemeinsam kann Europa ein Gegengewicht zur US-amerikanischen Hegemonie bilden.

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