Selbstzerfleischt

In Deutschland muß man von viel Gewohntem Abschied nehmen – spätestens seit dem kläglichen Scheitern des überflüssigen Streiks in der Metallindustrie in den östlichen Tarifbezirken auch vom mächtigen Einfluß des weltgrößten Gewerkschaftsbundes (DGB) und erst recht der weltgrößten Industriegewerkschaft (IG Metall). Unter maßgeblicher Regie des „Traditionalisten“ Jürgen Peters sollte vermutlich zur Einstimmung auf seine Amtsübernahme als Gewerkschaftsboß im Oktober dem „feindlichen“ Arbeitgeberlager einschüchternd dargeboten werden, wo Barthel seinen Most holt. Allerdings mußte der gelernte Maschinenschlosser Peters feststellen, daß er und mit ihm das Klassenkämpfer-Weltbild in einem um seine Besitzstände fürchtenden Sozialstaat obsolet ist. Die so geschwächte IG Metall wird jetzt auch noch durch eine Führungskrise gelähmt, die sich bereits im Frühjahr abzeichnete, als der seit 1993 im Amt stehende Klaus Zwickel damit brüskiert wurde, daß man ihm statt seines Favoriten Bertold Huber den ungeliebten Vize als Nachfolger servierte. Die gegenwärtige Schlammschlacht nutzt derweil nur den Tarifgegnern, und hier vor allem den bei der Gewerkschaft verhaßten „Neoliberalen“. Die abgehobenen Funktionäre haben schon jetzt durch ihren ignoranten Starrsinn die Interessenvertretung der Arbeitnehmerschaft geschwächt. Wie diese Schwäche aussieht, dokumentierte der jüngste Abschluß zwischen Verdi und der Deutschen Post AG. Statt in einer 35-Stunden-Woche dürfen die Postler nun 48 Stunden pro Woche arbeiten sowie an Silvester und Weihnachten Briefe und Pakete zustellen.

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