Roter Zahlenteufel

Auf Kurt Beck richten sich die Augen nicht bloß, weil er zu der aussterbenden Spezies von SPD-Ministerpräsidenten gehört. In seinem Bundesland könnte schon in Kürze Fußballgeschichte geschrieben werden. Nach der Auffassung der Finanzbehörden muß der rheinland-pfälzische Bundesligist 1.FC Kaiserslautern 12,9 Millionen Euro Steuern nachzahlen. Der Verein hat an einige einst oder noch immer in seinen Reihen kickende Auslaufmodelle ohne deutschen Paß nennenswerte Zahlungen auf ausländische Konten geleistet. Diese wurden als Entgelt für die Übertragung von Persönlichkeitsrechten zu Werbezwecken deklariert. Das Finanzamt geht allerdings davon aus, daß es sich um verdeckte Gehaltszahlungen handelte, die zu versteuern gewesen wären. Ist diese Interpretation zutreffend, droht dem Traditionsclub die Insolvenz. Er hätte die Chance, zu seinen Wurzeln im Amateursport zurückzufinden. Das Drama um die Roten Teufel mit den roten Zahlen ist zum einen bedauerlich, weil der 1.FC Kaiserslautern in dieser Saison gar nicht die Mitwirkung des Fiskus braucht, um aus der höchsten deutschen Spielklasse abzusteigen. Er dürfte es sportlich aus eigener Kraft schaffen. Zum anderen ist es ein Ausblick darauf, was noch manch anderem Club blühen könnte. Was dem 1.FC Kaiserslautern vorgehalten wird, soll in den beiden deutschen Vollprofi-Ligen gang und gäbe im Umgang mit ausländischen Arbeitnehmern sein. Niemand wird die Vereine dafür schelten wollen. Das Problem zu hoher Steuern und Lohnnebenkosten ist allen bekannt. Erst in unseren Tagen wird der Reformdruck, den Arnulf Baring und seine Mitstreiter ausüben, so groß, das von einer Aussicht auf Besserung gesprochen werden kann. Für den deutschen Fußball dürfte diese Hilfe aber zu spät kommen. Es müssen also ad hoc Lösungen gefunden werden, um das Schlimmste, nämlich eine Beeinträchtigung des Spielbetriebs, zu verhindern, und es ist der Staat, der hier in die Verantwortung genommen werden muß, zumal er durch seine Steuergesetzgebung Mitverursacher der Misere ist. Sollten Vereine nicht mehr in der Lage sein, eine Saison zu Ende zu spielen, weil ihnen die Finanzierung der Spielergehälter unmöglich ist, darf und muß die öffentliche Hand einspringen. Dies ist nicht nur beschäftigungspolitisch geboten, sondern eine unumgängliche Investition in die mentale Stabilität unseres Landes. Nicht allein in einer Region wie der Pfalz bietet der Fußball sehr vielen Menschen eine der wenigen noch verbliebenen Chancen, das in Krisenzeiten zerrüttete Selbstwertgefühl aufzurichten. In einer Situation, in der sich in jedem Haushalt die Erkenntnis durchsetzt, daß Deutschland international den Anschluß verloren hat, ist es wichtig, wenigstens auf dem Rasen ab und zu das Gegenteil vorexerzieren zu lassen. Durch eine Subventionierung der Bundesliga ließe sich mehr für eine optimistische Stimmung in unserem Land tun als durch ambitionierte und kostspielige Reformprojekte.

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