Freund hört mit

Der Abhörskandal im Brüsseler EU-Viertel zeigt vor allem eines: Europäische Spitzenpolitiker sind vor den Lauschangriffen „befreundeter“ Staaten nicht mehr sicher. Vergangene Woche wurde bekannt, daß der EU-Ministerratsbau „Justus Lipsius“ belauscht worden war. In den Delegationszimmern von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und Österreich wurden hochmoderne Wanzen gefunden. Die Technik für einen derartigen Angriff haben nach Auffassung deutscher Sicherheitsexperten nur ein halbes Dutzend Staaten auf dieser Welt. Weil der Lauschangriff vor allem den wirtschaftlich starken Staaten Europas gegolten hat, zählen zu den Hauptverdächtigen die USA und Israel. Insbesondere Washington hat in der Tat immer wieder allerhöchstes Interesse an Informationen aus den engsten EU-Zirkeln gezeigt, etwa vor einer Welthandelsrunde. Auch die Gerüchte darüber, daß die USA mittels ihres globalen Überwachungssystems „Echelon“ systematisch Wirtschaftsspionage betreiben, wollen bis heute nicht verstummen. Der Schaden, der der EU durch diesen Lauschangriff entstanden ist, könnte ansehnliche Größenordnungen erreicht haben. In deutschen Regierungskreisen gibt man sich im Hinblick auf diese „Sauerei der Sonderklasse“, wie sie von einem deutschen Beamten genannt wurde, dennoch abgeklärt. Augenscheinlich macht man sich dort keine Illusionen mehr über den Zustand der transatlantischen Allianz. Diese besteht mehr und mehr nur noch auf dem Papier.

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