BERLIN. Die Bahngewerkschaft EVG hat mit bundesweiten Streiks gedroht, sollte die Bundesregierung keine härteren Strafen für Angriffe auf Zugbegleiter beschließen. Gewerkschaftschef Martin Burkert betonte gegenüber Bild, das „versprochene Gesetz“ müsse noch „in diesem Jahr in den Bundestag, sonst legen wir im Januar den Betrieb lahm“.
Konkreter Anlass sei dabei die Tötung eines Zugbegleiters im Februar (JF berichtete). Der 36jährige Familienvater Serkan C. war in einer Regionalbahn im Kreis Kaiserslautern von einem 26jährigen Griechen zu Tode geprügelt worden, nachdem C. ihn aufgrund eines fehlenden Tickets aus dem Zug hatte verweisen wollen. Der Täter wurde später wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Die Bundesregierung hatte daraufhin Gesetzesänderungen angekündigt – aber bislang keinen Gesetzesentwurf eingebracht. Burkert beklagte, von seiten der Politik habe es „betroffene Gesichter und große Worte“ gegeben, aber „keine Taten“. Die Regierung betreibe „Arbeitsverweigerung“ und „die Eisenbahner zahlen dafür mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben“, empörte sich der Gewerkschafter. „Die Politiker haben Serkan vergessen. Wir nicht.“
„Der Politik-Stillstand wird dann zum Zug-Stillstand“
Auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Deutschen Bahn, Ralf Damde, äußerte sich erzürnt: „Es reicht! Statistisch gesehen werden jeden Tag acht Kollegen im Dienst angegriffen.“ Niemand wisse vor seiner Schicht, ob er wieder gesund nach Hause komme. „Wenn das Gesetz weiter Staub im Ministerium ansetzt, verweigern wir als Betriebsräte die Zustimmung zu den Dienstplänen. Der Politik-Stillstand wird dann zum Zug-Stillstand.“

Ein Sprecher des Justizministeriums erklärte auf Anfrage der Bild, ein Gesetzesentwurf, der höhere Strafen für Angriffe auf Zugbegleiter vorsehe, befinde sich derzeit in einer regierungsinternen Abstimmung. Ziel sei es, „dass der Bundestag den Gesetzesentwurf noch in diesem Jahr beraten und gegebenenfalls beschließen kann“. Zuvor hatte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) betont, Sicherheit in Zügen sei „kein Randthema“, sondern „Grundvoraussetzung für einen funktionierenden öffentlichen Verkehr“.
So häufig kommt es zu Angriffen auf Bahnmitarbeiter
Die Deutsche Bahn hatte offenbar bereits eigenständige Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit von Mitarbeitern zu erhöhen. Der stellvertretende Bundesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Michael Koch, äußerte gegenüber dem ZDF, dass es für Mitarbeiter mittlerweile die Möglichkeit gebe, eine Body-Cam zu benutzen oder in Doppelbesetzung zu arbeiten.
Gewalt gegen Angestellte der Deutschen Bahn ist keine Seltenheit. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums wurden 2025 bis Ende Oktober im Schnitt täglich fünf Bahnmitarbeiter körperlich angegriffen. Insgesamt registrierten die Behörden in diesem Zeitraum 2.987 Fälle von Bedrohung oder Körperverletzung. Im gesamten Jahr 2024 waren es rund 3.150 Übergriffe. (lb)





