Es ist eine Geschichte, nach der sich Journalisten normalerweise die Finger lecken: Ein wahrgewordenes Aschenputtel-Märchen; dazu sogar noch ganz „modern“ mit gendermäßig vertauschten Rollen. Eine echte Prinzessin, Erstgeborene aus königlichem Hause, geprägt von Luxus und Jet-Set, liebt einen jungen Mann aus einfachsten Verhältnissen, Sohn einer alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin. Herrlich.
Maria Carolina von Bourbon-Sizilien heißt die Prinzessin. Die 2003 in Rom geborene Königliche Hoheit ist die älteste Tochter von Prinz Carlo, Herzog von Castro und – selbsternanntes – Oberhaupt des Königshauses beider Sizilien. Unzweifelhaft hat dieser Zweig der Bourbonen im 18. und 19. Jahrhundert in Süditalien und Sizilien regiert, doch die Familie des ungleich prominenteren Cousins, des spanischen Königs Felipe, erkennt die Ansprüche Carlos nicht an.
Ungeachtet dessen hatte der 2016 das salische Erbrecht – das Frauen von der Thronfolge ausschließt – abgeschafft und die Primogenitur – also das Erstgeburtsrecht – eingeführt. Weswegen Tochter Maria Carolina als seine kommende Nachfolgerin auch den Titel einer Herzogin von Kalabrien und Palermo trägt.
Paris Match spricht „vom unglaublich untypischen Paar“
Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die Modeschöpferin und Influencerin mit Wohnsitzen in Monaco und Saint Tropez bekannt, als die französische Illustrierte Paris Match ein unzufällig zufällig aufgenommenes Foto veröffentlichte, das sie innig Hand in Hand mit einem jungen Mann beim romantischen Kurzurlaub auf Korsika zeigt. Und dieser Begleiter ist Jordan Bardella, seit 2022 Nachfolger Marine Le Pens als Vorsitzender des Rassemblement National – und vielleicht der künftige französische Premierminister.
Ausgerechnet den „umstrittenen“ Chef der französischen Rechtspartei liebt diese sechs Sprachen sprechende, für zahlreiche internationale kulturelle, soziale und humanitäre Initiativen engagierte Philanthropin. Das scheint vielen der schreibenden Zunft dem Aschenputtel-Narrativ zuwiderzulaufen. Wohl auch deshalb landete die Neuigkeit von der Beziehung Bourbon-Bardella in Deutschlands Edel-Klatschmagazin Bunte nur in einer bescheidenen Meldung. „Klassische Eleganz, ein unglaublich untypisches Paar“, urteilte dagegen Paris Match.
Könnte die Prinzessin dem „politischen Aschenputtel“ schaden?
In der Tat. Die Glamour-Prinzessin und der „Populist“– der erste Mann in der Partei der „kleinen Leute“ – alles nur ein PR-Coup, um den künftigen Kandidaten für das Amt des Regierungschefs auch über die eigene Anhängerschaft hinaus mit royalem Glanz im „Establishment“ der Republik populärer zu machen und aus der Schmuddelecke der „Extremisten“ herauszuholen, wie Skeptiker unken? Oder könnte, umgekehrt, Maria Carolinas Bling-Bling-Faktor für Bardella gefährlich werden und seinem Ruf als „Kandidat des Volkes“ schaden? Wer weiß. Vielleicht haben sich da auch einfach nur zwei junge Menschen mit unterschiedlichen Lebensläufen ineinander verliebt.
Dass die Prinzessin von Bourbon-Sizilien, die sich für den Schutz der Ozeane, das Rote Kreuz und Handwerkskunst als kulturellem Erbe Süditaliens engagiert, kein Püppchen ist, beweist nicht zuletzt ihr riskantes Hobby: Harley-Davidson fahren. Vor einem Jahr erlitt sie einen schweren Unfall. „Der Helm rettete mich“, teile sie mit. Dem Tode entronnen, dürfte sie auch die Beziehung zu einem politischen Aschenputtel nicht scheuen.






