Kai Wegner tritt von der CDU-Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl im September zurück (JF berichtete). Selbst in seinem Abgang gibt der Regierende Bürgermeister noch ein erbärmliches Bild ab. Denn trotz all seiner Lügengeschichten will er bis zur letzten nur möglichen Minute noch Regierender Bürgermeister bleiben. Es passt zu diesem charakterlichen Totalschaden, der monatelang bewusst und geplant die Öffentlichkeit dreist hinters Licht zu führen versuchte.
Es stellt sich aber vor allem die Frage, wie so jemand überhaupt Regierungschef in der deutschen Hauptstadt werden konnte. Dass Wegner dem Amt nicht gewachsen war, zeigte schon sein Wahlkampf. Da versprach er, obwohl er gar nicht die Kompetenzen dazu hat, „mehr Haftbefehle“ für Kriminelle. Natürlich wurde daraus nichts. Im Gegenteil: Berlin versinkt in Dreck, Drogen und Clangewalt. Jeden Tag Schießereien, jeden Tag Messerattacken, jeden Tag Gewalt. Der Nahverkehr ist ein einziges Chaos.
Ein bis zur Unkenntlichkeit verzwergter Provinzpolitiker
Wegner war das alles herzlich egal. Lieber hisste er ständig irgendwelche Regenbogenflaggen, mischte sich besserwisserisch in die Bundespolitik ein und biederte sich bei der mitregierenden SPD an, wo es nur ging. Hauptsache, er bleibt weiter Regierender Bürgermeister, dem die roten Teppiche ausgerollt werden. Manche wachsen mit der Verantwortung, Wegner wurde immer kleiner. Ein bis zur Unkenntlichkeit verzwergter Provinzpolitiker. Dagegen wirkte selbst ein Klaus Wowereit wie ein seriöser Staatsmann von Welt.
Die CDU wusste das. Wusste um die Schwächen, Defizite und Inkompetenzen des 53jährigen. Trotzdem stellte sie ihn auf und gewann vor allem deshalb, weil die Konkurrenz es schaffte, noch größere Halodris aufzustellen. Das sagt einiges über den Zustand der Politik in der Bundeshauptstadt aus.
Seinen Rücktritt garnierte Wegner mit einem nicht enden wollenden Anfall von Selbstlob. Seine Lügen nannte er „kommunikative Fehler“. Es ist genau dieser verantwortungslose, substanzlose Politikersprech, von dem die Menschen die Nase gestrichen voll haben. So gesehen ist vielleicht gar nicht Kai Wegner das Problem. Sondern die vielen anderen Kai Wegners, die in diesem Land auf den Regierungssesseln festkleben.





