DRESDEN. Das Oberlandesgericht Dresden hat der verurteilten Linksextremistin Lina E. eine Haftentlassung nach zwei Dritteln der Haftzeit gewährt. Zuvor hatte E. einen entsprechenden Antrag gestellt, der Staatsschutz prüfte diesen anschließend in einem „nicht öffentlichen Prüfverfahren“, wie ein Sprecher des Oberlandesgerichts gegenüber der JUNGEN FREIHEIT bestätigte. Allerdings ist diese Entscheidung noch nicht rechtskräftig, weil der Generalbundesanwalt Beschwerde dagegen eingelegt hat, wie die Sächsische Zeitung berichtet.
E. war im Mai 2023 zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten wegen mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, mehrfacher gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung, Diebstahls und Nötigung verurteilt worden (JF berichtete). Die Bundesanwaltschaft hatte damals eine Strafe von acht Jahren Haft gefordert. Im März vergangenen Jahres bestätigte der Bundesgerichtshof den Schuldspruch.
Die Justiz befand die Linksterroristin wegen mehrerer Taten für schuldig. Im Januar 2019 griffen ihre Freunde einen Bauarbeiter an, weil er eine Mütze trug, die in rechten Kreisen beliebt ist. Während mehrere Personen auf ihn einprügelten, besprühte E. einen Kollegen des Bauarbeiters mit Reizgas, um ihn daran zu hindern, einzugreifen.
Lina E. fungierte als „Überblicksperson“
Im Oktober desselben Jahres überfiel sie mit zehn weiteren Mitgliedern der „Hammerbande“ das Lokal „Bull´s Eye“ im thüringischen Eisenach, dessen Betreiber Leon R. seit Jahren in der rechten Szene aktiv ist und sich zum Tatzeitpunkt vor Ort befand – zusammen mit vier weiteren Gästen und einem bestellten Taxifahrer. Während die zehn Personen, teilweise mit Teleskopschlagstöcken bewaffnet, auf sämtliche Anwesenden einschlugen, agierte E. als sogenannte „Überblicksperson“, die nach knapp einer Minute das Signal zur Flucht gab und Reizgas ins Innere des Lokals sprühte.
Wenige Wochen später, im Dezember 2019, überfielen Linksterroristen Leon R. erneut, diesmal auf seinem Heimweg. Wieder fungierte E. als „Überblicksperson“ und sprühte Reizgas. Kurz zuvor hatte sie in einem Leipziger Baumarkt zwei Hämmer für spätere Angriffe gestohlen und dabei einen Ladendetektiv weggestoßen, der sie dabei ertappt hatte.
Linksterrorist hat Haftstrafe nicht angetreten
Im Februar 2020 spähte sie eine Gruppe in einem Zug aus, die zuvor an einer rechten Demonstration teilgenommen hatte. Kurz darauf wurde diese Gruppe am Bahnhof von mehreren Linksterroristen angegriffen und teilweise erheblich verletzt.
Am 5. November 2020 wurde sie schließlich verhaftet und in Untersuchungshaft gebracht. Einige Mitglieder der Hammerbande sind nach wie vor untergetaucht, darunter der 31jährige Philipp M. Er ist im Juni 2025 seine Haft nicht angetreten, die Berliner Polizei fahndet nach ihm, wie die taz berichtet. (st)






