BERLIN. Die Flugbereitschaft der Bundeswehr hat im Jahr 2025 häufiger leere „Bereitstellungsflüge“ absolviert als Flüge mit Regierungsmitgliedern. Das geht aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei hervor.
Nach Angaben des Ministeriums wurden von Mai bis Jahresende 2025 insgesamt 488 Flüge mit Kabinettsmitgliedern oder dem Bundespräsidenten durchgeführt. Demgegenüber stehen 700 „Bereitstellungsflüge“. Über die Zahlen berichtete die Nachrichtenagentur dpa.
Als Bereitstellungsflug gilt ein Einsatz, bei dem die Maschine von ihrem Stützpunkt in Köln zu jenem Ort fliegt, an dem Regierungsvertreter zusteigen. Das Verteidigungsministerium hatte Kritik an diesen sogenannten Leerflügen in der Vergangenheit damit zurückgewiesen, daß sie gezielt für Aus- und Weiterbildung genutzt würden. Ursprünglich sollte die Flugbereitschaft bereits 2012 vollständig nach Berlin verlegt werden. Der Umzug verzögerte sich jedoch mehrfach, zunächst wegen der späteren Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER), später wegen fehlender Infrastruktur für die Bundeswehr. Nach aktuellen Planungen ist ein Gesamtumzug erst in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre vorgesehen.
Leerflüge statt Linienflüge
Die Anfrage bezog sich auf den Zeitraum seit dem 6. Mai 2025, als die neue Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ihr Amt antrat. Laut Ministerium führt das Bundeskanzleramt mit 106 Flügen die Liste an, gefolgt vom Auswärtigen Amt mit 96 und dem Bundespräsidialamt mit 66 Flügen. Am seltensten nutzte das Landwirtschaftsministerium die Flugbereitschaft – es verzeichnete zwei Flüge.
Linken-Abgeordneter Dietmar Bartsch mahnte eine sparsamere Nutzung an: „Daß die Bundesregierung im Schnitt mehr als einmal täglich die VIP-Flüge der Bundeswehr nutzt, ist in diesem Ausmaß nicht akzeptabel“, sagte der frühere Linken-Fraktionschef. „Die Nutzung ist ein Privileg, mit dem sorgsam und sparsam umgegangen werden sollte.“ Stattdessen sollten häufiger Linienflüge oder die Bahn genutzt werden.
„Kaum zu vermitteln ist, daß rund 500 Flügen mit Passagieren 700 ‚Leerflüge‘ gegenüberstehen“, fügte Bartsch hinzu. Er nannte es einen „teuren Konstruktionsfehler“, daß die Flugbereitschaft in Köln stationiert sei, während die Bundeshauptstadt seit mehr als 30 Jahren Berlin sei. (rr)






