MOSKAU/KIEW. Insgesamt sollen im Ukraine-Krieg auf beiden Seiten bisher fast eine halbe Million Soldaten gefallen sein. Das geht aus einem Bericht der US-amerikanischen Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington hervor. Demnach seien seit Beginn des Konflikts im Februar 2022 rund 325.000 russische sowie 100.000 bis 140.000 ukrainische Soldaten getötet worden.
Mit den hinzugerechneten Verwundeten habe Rußland nach diesen Berechnungen bisher insgesamt sogar 1,2 Millionen Soldaten verloren, die Ukraine 500.000 bis 600.000. Beide Länder behandeln ihre Verlustzahlen als Staatsgeheimnis. Das CSIS beruft sich bei seinen Berechnungen auf Militärs, Geheimdienste und Regierungen verschiedener Länder.
Rußland dementierte den Bericht. Kremlsprecher Dmitrij Peskow sagte, diese Zahlen dürfe man nicht als glaubhaft betrachten. Nur das Verteidigungsministerium sei befugt, Zahlen zu den russischen Verlusten zu veröffentlichen, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Tass.
Auch Ukraine spricht von 1,2 Millionen russischen Opfern
Allerdings deckt sich die CSIS-Berechnung der Zahl der russischen Opfer mit den Angaben des ukrainischen Generalstabs, der bislang von 1,23 Millionen getöteten oder verwundeten russischen Soldaten ausgeht. Die Zahl soll sich unter anderem auf abgehörten Funkverkehr der russischen Seite stützen, ist aber nicht überprüfbar.
Bisher gab es für beide Kriegsparteien bereits Versuche, die Gesamtzahl der bestätigten Toten zu ermitteln. Dafür wurden Beerdigungen, Todesanzeigen oder Posts in sozialen Netzwerken ausgewertet. Eine gemeinsame Berechnung des britischen Senders BBC und des Nachrichtenportals Mediazona, das Rußland als „ausländischer Agent“ einstuft, ergab im Januar 165.661 getötete russische Soldaten.
Höchster Verlust einer Großmacht seit dem Zweiten Weltkrieg
Für die Ukraine hat die ukrainische Website ualosses.org rund 87.000 tote Soldaten errechnet, weitere 86.000 seien vermißt und 4.460 befänden sich in russischer Kriegsgefangenschaft. Beide Zählungen gehen davon aus, daß die Zahlen tatsächlich höher liegen, weil in vielen Fällen der Tod nicht bekannt werde.

Das CSIS erklärte, sollte der Krieg mit unverminderter Härte weitergehen, werden beide Seiten im April zwei Millionen tote und verwundete Soldaten zu beklagen haben. Über Rußland heißt es: „In keinem Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg hat eine Großmacht so hohe Verlust- und Todeszahlen erlitten.“ (fh)






