BERLIN. Eine selbsternannte Expertenjury aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten der Süddeutschen Zeitung hat das Wort „Sondervermögen“ zum angeblichen „Unwort des Jahres 2025“ gekürt. Zur Begründung erklärte die Jury, der Ausdruck sei seit Jahren im gesellschaftlichen Diskurs präsent und habe 2025 den öffentlich-politischen Sprachgebrauch besonders geprägt. Er habe die Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme bestimmt.
Der Begriff entstamme ursprünglich der wirtschaftlichen und juristischen Fachsprache und bezeichne im staatlichen Haushaltsrecht einen Nebenhaushalt, der mit Schulden oder Kreditermächtigungen verbunden sei. Im öffentlichen Sprachgebrauch habe sich der verwaltungstechnische Ausdruck jedoch verselbständigt. Viele Bürger orientierten sich an der alltagssprachlichen Bedeutung von „Vermögen“, wodurch der Eindruck entstehe, es handele sich nicht um neue Schulden. Die Jury kritisierte den Begriff deshalb als euphemistisch und warf ihm eine verschleiernde und manipulative Wirkung vor.
JF kürt alternatives „Unwort des Jahres“
Auf Platz zwei setzte die Jury das Wort „Zustrombegrenzungsgesetz“. Der Begriff stelle Zuwanderung durch eine Wassermetapher als Bedrohung dar und entmenschliche Migranten, indem individuelle Schicksale hinter einem massenhaften Vorgang verschwänden, erklärte das Gremium. Zudem werde diese Sichtweise durch die Wortbildung in Form eines Gesetzes institutionell verfestigt.
Der diesjährige Gastjuror Ronen Steinke benannte „Umsiedlung“ als persönliches Unwort. Mit dem Ausdruck hätten israelische wie auch amerikanische Politiker 2025 dafür geworben, die Bevölkerung des Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu verbringen. Was wie eine Wohltat klinge, verschleiere eine gewaltsame Vertreibung und damit ein Verbrechen, so Steinke.
Auch die JUNGE FREIHEIT hat ein alternatives Unwort des Jahres ermittelt. In einer Online-Umfrage unter rund 70.000 Teilnehmern belegte der Begriff „Sondervermögen“ Platz zwei. Es ist bereits das zweite Mal, daß die JF ein alternatives Unwort kürte. Im Vorjahr hatte sich der Begriff „Brandmauer“ durchgesetzt. (dh)




