BERLIN. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat die Zahl der derzeit nach Deutschland kommenden Asylbewerber als zu hoch kritisiert. „Wir müssen politisch daran arbeiten, daß sie geringer wird“, sagte er am Donnerstag auf einer Konferenz zur Integration von Asylbewerbern in Berlin. „Es gibt eine Grenze dessen, was pro Jahr aufgenommen und integriert werden kann.“ Er könne sich nicht vorstellen, daß in den kommenden zehn Jahren jährlich Flüchtlinge in einer Größenordnung von „800.000 plus x“ nach Deutschland kommen könnten. „Daß wir dann noch sagen würden ‘Wir schaffen das’, glaube ich nicht“, sagte de Maizière.
Trotz des anhaltenden Zuzugs von Asylbewerbern warnte er jedoch davor, die Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland einzustellen. „Auf kurze Sicht werden die Flüchtlinge den Fachkräftemangel nicht beheben“, sagte de Maizière. Derzeit gebe es keine belastbaren Angaben über die Qualifikation der Einwanderer, sondern lediglich Anhaltspunkte, sagte er zur Begründung.
Behörden rätseln, welche Qualifikationen Asylbewerber mitbringen
Zwar habe sich der in den vergangenen Jahren vorhergesagte flächendeckende Fachkräftemangel in Deutschland nicht bestätigt, dennoch gebe es in bestimmten Berufen Engpässe. „In diesen Mangelberufen können wir daher vorerst nicht darauf verzichten, Arbeitskräfte anzuwerben“, bekräftigte der Innenminister. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, Anette Kramme (SPD), verwies indes darauf, daß eine Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen sei. „Ob wir diese Akzeptanz in der Bevölkerung derzeit haben, ist eine andere Frage“, sagte sie.
Die deutschen Behörden hätten derzeit zudem erhebliche Schwierigkeiten festzustellen, welche Qualifikationen die derzeit nach Deutschland kommenden Asylbewerber überhaupt haben, berichtete Christine Langenfeld vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Vielfach fehlten die entsprechenden Papiere.
Auf Kritik stießen auf der Konferenz die Pläne einiger Bundesländer, die Voraussetzungen für ein Studium von Flüchtlingen an einer Hochschule zu senken. „Dadurch entsteht die reale Gefahr, eine ganze Generation von Hochschulabbrechern zu produzieren“, sagte Langenfeld. Wichtiger sei es, die Einwanderer auf ein Studium vorzubereiten. Die Bildungsstandards in Deutschland dürften auf keinen Fall gesenkt werden, sagte sie. (ms)