Globale Mitteltemperatur: Die eine Temperaturkurve gibt es nicht Fotos: picture alliance/chromorange / JF-Montage
Fakten und „Erderhitzung“

Den Klimawandel in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf?

Achtung, Achtung: Ab jetzt herrscht Aufforderung an Kommission und MitgliedsstaatenEU-Parlament beschließt Klimanotstand. So ausgerufen am gestrigen Donnerstag vom EU-Parlament. Es folgt damit einem Weg, den schon viele deutsche Städte eingeschlagen haben. Und es trägt bei zu einem bemerkenswerten Spannungsbogen, der sich durch diese Woche zieht.

Am Dienstag eine Studie des Bundesumweltamtes, die dem Klimawandel in Deutschland allerlei schadhafte Folgen attestiert. Am Donnerstag der ganz-europäische Notstand. Und am heutigen Freitag das nächste große Stelldichein des Panikorchesters von Gretas Gnaden: Klimastreik – The Next Episode. Die bei „Fridays for Future“ ohnehin schon bis ins Mark hysterisierten Kinder dürften sich nun noch umso mehr bestätigt fühlen. Der Notstand ist da, der Weltuntergang steht unmittelbar bevor. Und nur die sofortige Abschaffung der Freiheit zugunsten des grünen Traums vom Ökosozialismus kann uns, die Menschheit und den Planeten retten.

So weit, so dramatisch. Doch wie steht es um die Fakten? Reden wir über die Erderwärmung, reden wir über die globale Durchschnittstemperatur. Beziehungsweise: Reden wir besser nicht. Denn obwohl das Thema in aller Munde ist, machen viele Leitmedien, Politiker, und selbst jene Klimaforscher, die dem Alarmismus zugeneigt sind und damit ihre Institute nähren, um wissenschaftliche Tatsachen in der Öffentlichkeit lieber einen großen Bogen. Aus gutem Grund. Denn schon ein flüchtiger Blick auf selbige läßt am angeblichen Notstand gehörig zweifeln.

Globale Mitteltemperatur mit Trends Grafik: JF

Daher holen wir hier gerne nach, was man woanders geflissentlich versäumt. Betrachten wir beispielsweise die aktuelle Temperaturkurve der Erde, beziehungsweise: eine davon. Denn die eine Temperaturkurve gibt es nicht, sondern mehrere. Eine davon ist ebendiese von der University of Alabama in Huntsville (UAH), errechnet aus Meßdaten von Satelliten. Es ist eine von zwei Satellitenreihen (die andere heißt „RSS“), darüber hinaus gibt es noch weitere Anbieter, die mit Meßdaten von Klimastationen am Boden arbeiten.

Wohlgemerkt: es handelt sich dabei nicht um das Werk angeblicher „Klimaleugner“. Die Kurven der führenden Institute sehen auch alle ähnlich aus, unterscheiden sich aber doch gehörig im Detail. Bis zu 0,3 Grad weichen die Kurven führender Anbieter in machen Jahren voneinander ab. Das ist wenig, wenn man man das Klimasystem Erde zum Maßstab nimmt, dessen Extreme von minus 90 Grad Celsius in der Antarktis bis plus 55 Grad Celsius in den heißesten Wüsten reicht.

Andererseits sind 0,3 Grad Celsius ziemlich viel angesichts einer Erderwärmung von etwa einem Grad in 150 Jahren. Wenn es schon hier und heute, im Zeitalter von Satelliten und Großcomputern, bei der Berechnung eines globalen Mittelwertes derart große Abweichungen gibt, wie genau können dann die rückwirkend errechneten – besser müßte man sagen: geschätzten – Mittelwerte für das 19. Jahrhundert sein, als es nur wenige seriöse Meßreihen in ein paar aufstrebenden, weil von der Industrialisierung betroffenen Metropolen gab?

Eine „Fieberkurve“ gibt es nicht

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Doch das Mysterium Globaltemperatur samt ihrer zweifelhaften Aussagekraft und den offenkundigen Unschärfen in der weiter entfernen Vergangenheit ist das eine; ihre gegenwärtige Entwicklung das andere. Und ein Blick auf ebenjene Kurve nach UAH (oder jedem anderen Anbieter) läßt gehörig am Verstand von zahlreichen Journalisten und Politikern zweifeln – an dem von Klimaaktivisten sowieso.

Denn was wir sehen, ist mitnichten eine „Fieberkurve“, wie sie gerne wortreich beschrieben und mit vertrockneten Ackerflächen bebildert wird. Zwar zeigt sich aus der Ferne und mit extremer Glättung durchaus ein generellerer Erwärmungstrend über die vergangenen Jahrzehnte, doch es lohnt sich hier ein genauerer Blick, verdeutlicht durch die roten Trend-Linien in der Grafik.

In den Jahren bis 1998 ist ein leichter Erwärmungstrend erkennbar. Im Jahr 1998 kam es zu einer starken globalen Temperaturspitze, dasselbe wiederholte sich 2016. Und in beiden Fällen ist die Ursache wohlbekannt und in der Wissenschaft unstrittig, nur daß dieser tatsächliche wissenschaftliche Konsens bei Harald Lesch und Konsorten gerne unerwähnt bleibt.

Der Grund war in beiden Fällen eine sehr starke El-Niño-Strömungim Pazifischen Ozean. Dabei handelt es sich zwar zuerst einmal um einen ozeanischen Effekt, doch dieser führt nachweislich zu deutlichen Ausschlägen der Globaltemperatur. Einzig: Ein Zusammenhang zwischen El Niño und einer grundsätzlichen Erderwärmung zeigt sich bis heute nicht. So unglaublich das in manchen Ohren klingen mag, doch es gibt tatsächlich auch Effekte in der Erdatmosphäre, die nicht mit dem menschlichen CO2-Austoß in Verbindung stehen. El Niño ist einer davon.

Zwei Punkte sind besonders bemerkenswert

Doch noch bemerkenswerter sind die folgenden beiden Punkte. Erstens: Zwischen den beiden El Niño-Ausschlägen in den Jahren 1998 und 2016 geschah in Sachen Erderwärmung so ziemlich genau: gar nichts. Das ist der berühmte „Hiatus“, die immerhin 18 Jahre währende Pause der Erderwärmung, obwohl in diesem Zeitraum der CO2-Gehalt der Luft vor allem durch die aufstrebenden Volkswirtschaften in Fernost, allen voran China, stetig anwuchs. Und zweitens: Seit dem neuerlichen El Niño-Ausschlag 2016 geht die Globaltemperatur wieder zurück. Legt man nur die letzten Jahre zugrunde, leben wir sogar eigentlich in einer Phase der Erdabkühlung.

Globale Mitteltemperatur und El-Niño Grafik: JF

Zugegeben: Das ist klimatologisch unseriös, denn als klimarelevant gelten größere Zeiträume, per Definition der Weltorganisation für Meteorologie mindestens 30 Jahre, besser mehr. Doch darum scherte sich das Bundesumweltamt herzlich wenig, als es am Dienstag öffentlichkeitswirksam beklagte, die Durchschnittstemperatur in Deutschland (!) habe in den vergangenen fünf Jahren 0,3 Grad über dem vorherigen Niveau gelegen.

In Zeiten, in denen auf solche Weise Panik gemacht und Hysterie geschürt wird, darf sich wohl auch unsereins einmal auf das erbärmliche Niveau der gegenwärtigen Klimadebatte herabbegeben und mit Blick auf den globalen Trend im selben Zeitraum erwidern: Willkommen im Zeitalter der Erdabkühlung, ihr Möchtmalgern-Globale-Erdenbürger.

Wenigstens eine CO2-Steuer

Wer es hingegen doch etwas seröser will, wird abwarten müssen, wie sich die Temperaturen nach Abklingen des El Niño-Ausschlags in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einpendeln. Geht es auf höherem Niveau weiter? Fallen sie unter das vorherige? Bleiben auf demselben? Einzig: Eine dramatische Entwicklung, wie allenthalben skizziert, will sich hier irgendwie nicht abzeichnen. Also spricht man besser nur über Klima, oder schreit und hüpft und kreischt, aber beschäftigt sich besser gar nicht erst mit Kurven wie dieser.

Doch für klimarelevante Zeiträume haben Greta Thunberg und Konsorten sowieso keine Zeit. Die Weltenrettung duldet keinen Aufschub. Und manchmal ist ja auch der Weg das Ziel. Ergo: Sollte die Erderwärmung – pardon: Erderhitzung – samt aller erdenklicher Katastrophenszenerien dann rein zufällig doch ausbleiben, wären wir wenigstens um eine CO2-Steuer reicher, wenn nicht gar um ein ganz neues politisches und wirtschaftliches System, das ganz sicher besser ist als das, was uns die „alten weißen Männer“ hinterlassen haben.

Sie wissen schon: Verdoppelung der Lebenserwartung, flächendeckende Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medizin bis hin zu Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und nie dagewesenem Wohlstand. Oder, wie es hunderte Europaparlamentarier heute höchst offiziell bezeichnet haben: „Klimanotstand“. Na dann.

Und jetzt: Das Wetter. Heute in Berlin: 6 Grad am Tag, 0 Grad in der Nacht, 30 Prozent Regenwahrscheinlichkeit, Wind mit Böen bis etwa 50 Kilometer pro Stunde. Sie sehen: Den Klimawandel in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Amen.

Globale Mitteltemperatur: Die eine Temperaturkurve gibt es nicht Fotos: picture alliance/chromorange / JF-Montage

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