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Corona-Pandemie: Impflücke, welche Impflücke?

Corona-Pandemie: Impflücke, welche Impflücke?

Corona-Pandemie: Impflücke, welche Impflücke?

Die Sorge um die Impflücke dient auch als Rechtfertigung für die Impfpflicht
Die Sorge um die Impflücke dient auch als Rechtfertigung für die Impfpflicht
Die Sorge um die Impflücke dient auch als Rechtfertigung für die Impfpflicht Fotos: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd / Pixabay / JF-Montage
Corona-Pandemie
 

Impflücke, welche Impflücke?

Ob nun Gesundheitsminister Karl Lauterbacht (SPD) warnt: „Wir müssen alles versuchen, die Impflücke zu schließen.“ Oder der oberste Virologe Deutschlands, Christian Dorsten, erklärt: „Es gibt unter den großen Industrieländern in Europa kein anderes, das so eine große Impflücke hat.“ Und das werde uns auch einen „wirtschaftlichen Nachteil bringen gegenüber anderen Ländern“ wenn wir diese nicht überwinden. Eines ist sicher, diese Impflücke scheint sich in den Köpfen festgesetzt zu haben. Sie dient den Bundestagabgeordneten als Grund, über Sinn und Unsinn einer Impfpflicht zu debattieren.

Zuerst muß dabei aber beachtet werden, daß die Impfung kein Selbstzweck ist. Sie soll von Covid-19 Gefährdete vor einer schweren Erkrankung schützen. Das kann sie auch. Hoffnungen, daß sie auch die Übertragung verhindert, haben sich mit der jüngsten Variante Omikron dagegen vollends in Luft aufgelöst.

Impfung und Genesung bewahren gleich stark

Anhand dänischer Daten – die weit verläßlicher sind, als alles Wissen über Corona, was im „Wissenschaftsstandort“ Deutschland zu Tage gebracht wird – zeigt sich, daß selbst die Boosterung kein nennenswertes Hindernis für die Weitergabe bildet. Für den Einzelkontakt stellt sie einen Schutz her, doch Omikron ist so ansteckend, daß die Reduktion der Übertragungswahrscheinlichkeit nicht mehr ins Gewicht fällt.

Wie groß ist die Impflücke nun? Etwa 25 Prozent der Menschen in Deutschland sind nach wie vor ungeimpft, gibt das RKI an. Doch sie mit der Impflücke gleichzusetzen, greift bedeutend zu kurz. Längst nicht mehr alle, die ungeimpft sind, sind schutzlos gegen das Virus. So hat jüngst das ebenfalls dem Gesundheitsminister unterstehende Paul-Ehrlich-Institut eine breit angelegte Studie zum Fortbestehen der Antikörper im Blut nach einer durchgemachten Infektion veröffentlicht.

Das Institut für Medikamentensicherheit fand dabei heraus, daß die große Mehrzahl der Antikörper in Genesenen auch nach einem Jahr noch aktiv und nachweisbar waren. Auch der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, sprach sich vehement dafür aus, die Dauer des Genesenenstatus wieder der Dauer des Geimpftenstatus anzugleichen. Der Immunologe erklärte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, Omikron überwinde den Schutz der Genesenen wie der Geimpften gleichermaßen leicht. Die Reduktion des Genesenenstatus auf drei Monate ist demnach nicht nachvollziehbar.

Wer hat Antikörper?

Das Maß für die Impflücke – eigentlich Immunitätslücke – wäre demzufolge die sogenannte Seropositivität. Also die Frage: Wer hat Antikörper und wer nicht? Dazu gibt es sogar aus Deutschland verläßliche Studien, wenn gleich die jüngste veröffentlichte Untersuchung aus dem Dezember stammt und nur die Situation vor der großen Delta-Herbstwelle darstellt.

Die SeBluCo-Studie (Serologische Untersuchungen von Blutspenden auf Antikörper gegen SARS-CoV-2) testet in regelmäßigen Abständen 5.000 Blutspenden aus ganz Deutschland auf den Antikörpergehalt gegen das Covid-Virus Sars-CoV-2. Damit gibt es eine verläßliche Stichprobe für die tatsächliche Größe der Immunitätslücke. 87,6 Prozent der Proben wiesen Antikörper auf. Umgekehrt waren also nur 12,4 Prozent der Erwachsenen ohne Antikörper, was etwa 8,6 Millionen Menschen entspricht. Geimpft waren laut den offiziellen Zahlen des RKI bis zum 1. September nur 65 Prozent der Bevölkerung, zweifach geimpft nur 61 Prozent.

Leider läßt die Studie keine Rückschlüsse auf verschiedene Altersgruppen zu. Es ist zwar anzunehmen, daß durch mehr Impfungen die Älteren eine noch höhere Seropositivität aufweisen. Doch das ist nicht belegbar. Doch was sagt uns das über die tatsächliche Impflücke unter den Erwachsenen?

Impflücke dürfte mit der Omikron-Welle verschwinden

Seit September wurden weitere 61 Millionen Impfungen vorgenommen, davon 8,3 Millionen Erstimpfungen und 10 Millionen Zweitimpfungen. Weiterhin gab es seit dem 1. September 5,5 Millionen offiziell gemeldete Ansteckungen hinzu gerechnet wird eine Dunkelziffer von etwa 50 Prozent. Es ist also realistisch davon auszugehen, daß es seither zehn Millionen weitere Ansteckungen gab.

Selbst bei ungünstigsten Annahmen, – daß sich Geimpfte und Ungeimpfte gleich oft anstecken, und daß seit September nur Genesene geimpft wurden – bleibt eine Impflücke von wenigen Millionen Menschen in Deutschland. Die Omikron-Welle ist derweil noch nicht vorüber. Und das soll der Grund für einen erneuten Stillstand des ganzen Landes sein?

Die Sorge um die Impflücke dient auch als Rechtfertigung für die Impfpflicht Fotos: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd / Pixabay / JF-Montage
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